Aldidente und Testosteron Teil 3

Aldidente und Testosteron – Teil 3. (1 und 2 siehe weiter unten..)Placeholder Image

 

Dann stand Silvester vor der Tür. Frank hatte sich tagelang den Kopf zerbrochen wie er es anstellen könnte, mit Anke Silvester zu feiern. Mit dem Fotografen würde sie nicht gemeinsam losziehen, denn der war in Neuseeland unterwegs, was er beiläufig mit seiner Gerichts erprobten Fragetechnik herausarbeiten konnte.

Er schlich immer um das Thema herum. Dann ergab sich eine geniale Fügung des Schicksals. Es gibt keine Zufälle, nein dies war eine Fügung. Elke vom Sportverein, die vormals vielversprechende Krankenschwester lief in ihn hinein, als er den Fitnessbereich des Sportvereins betrat. Sie drehten sich einmal in der Drehtür um die Achse, Bissous links rechts und aus Versehen auf den Mund. Ein kurzes, verlegenes Händchenhalten. „Und, was gegen den Bauch unternehmen“, lachte Elke dann, wohl wissend, dass jeder Mann darauf empfindlich reagieren würde. Mit oder ohne Bauch. Frank lief rot an, worauf hin Elke ihm in den Bauch boxte. „Ach, geht doch“, kicherte sie. Melde dich doch mal. Du bist ja völlig abgetaucht. Was ist mit Party-time? Ü-30 und so?“
„Im Moment nicht so“, redete Frank, „viel zu tun“.
„Mit Anke? Die habe ich neulich mal getroffen. Gefällt ihr ganz gut bei dir. Sie könne es eine Weile aushalten, meinte sie.“ Eine kleine Pause entstand, da Frank nicht gern über Anke reden wollte. Elke würde seine Befangenheit bestimmt herausfiltern. Das da mehr war, als der Job. Theoretisch zumindest.
„Schon was vor an Silvester?“, fragte Elke. Ruf doch mal an, wenn du mit uns feiern willst.“ Wer war
mit uns überlegte Frank. „Anke kommt auch“, winkte Elke bereits rückwärts laufend und sich verabschiedend.

Es war ihm schlagartig egal, wer mit uns war. Wahrscheinlich würde Elkes jetziger Lover und ihr Ex-Lover, der vom Dach springende Urs dabei sein. Urs hatte einen Selbstmordversuch unternommen und einen Sturz aus 10 Metern Höhe überlebt. Und war dann auf die sich aufopfernde Krankenschwester Elke getroffen. Alles weitere hatte sich ergeben. Elke hatte ihn auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus betreut. Nur, dass es keine Arztserie war, sondern das wirkliche, das wahre, das psychotische Leben. Urs hatte sich getrennt, hatte Nähe nicht ertragen können. Dann kam er wieder an, wurde wieder aufgenommen. Und hin und her. „Ich fühle mich immer noch verantwortlich“, hatte Elke betont, auch nachdem sie einen neuen Freund hatte. Mehrere, besser gesagt, die es mit einem Urs an der Backe, wie es einer formulierte, nie lange aushielten.

Anke trug eine dünnes Kleid mit einem Gürtel um die Taille der ihre Figur extrem betonte. Dazu trug sie offene Sandalen. Die Fußnägel blau lackiert. Sie war etwas angespannt und hatte beschlossen, sich gleich mit einem Piccolo ein wenig zu lockern. Ihre anfängliche Skepsis bezüglich einer Party mit ihrem Chef war der Neugier gewichen. Außerdem könnte seine Anwesenheit einer möglichen Langeweile auf Elkes Party vorbeugen, so hatte sie es sich überlegt. Die üblichen Verdächtigen, wie Elke und Anke die Gäste bezeichneten, waren anwesend. Zwei befreundete Paare, Bruder und Schwester von Elke, ein noch nicht definierter Freund. Nur Urs fehlte. „Er kommt später“, hoffte Elke. Vielleicht hoffte sie auch, dass er nicht kam. Es gab Fondue mit Käse und Fleisch. In der Küche war zudem ein Buffet aufgebaut, das aus von den Gästen mitgebrachten Salaten, Broten, Käsesorten, Desserts und Snacks bestand. Frank und Anke saßen jeweils an einem Kopf des Tisches und konnten sich eher schlecht als recht unterhalten. Frank empfand die Situation als anstrengend und versuchte sich in höflichen Smalltalk. Smalltalk hasste er.
In der Küche passierte es dann, würde Frank sich später erinnern. Dort,im Rückzugsort jeder Party, wenn es auf der Hauptbühne zu langweilig wurde. In einer Küche war man immer mit etwas beschäftigt. Wein nachschenken, Brot knabbern, den Teller auffüllen. Der Wunsch nach Zwanglosigkeit erfüllte sich am ehesten hier. Die Küche war schmal wie ein Handtuch. Elke wohnte in einem Neubau. Durch die herrschende Enge war jede Küche quasi das klassische Separee für Annäherungsversuche auf Feiern. Anke stand mit einem Glas in der einen, einem Grisini in der anderen Hand vor dem Kühlschrank, der sich in der Ecke direkt hinter der Tür befand. Frank stand mit dem Rücken zu ihr an der Fensterbank und lud seinen Teller voll. Er überlegte angestrengt, was er sagen oder tun sollte. Es war ja schließlich Silvester. Mit Tanz und Spiel. Man durfte locker sein. Aber wie gingen Tanz und Spiel? Wie sollte er locker werden, völlig verkrampft in seiner Rollenambiguität.Und zudem ziemlich statisch mit dem Essen beschäftigt. Er wollte nicht den Mund voll haben, wenn er angesprochen würde, aber auch schon etwas essen und beschäftigt aussehen.

Er stellte seinen Teller wieder ab. Ihm erschien es doch zu unbeholfen, mit einem Teller in der Hand ins Gespräch zu kommen. Wenn es denn dazu kommen würde. Hier hatte sie eindeutig die Oberhand, in der Wohnung ihrer Freundin, privat, und Anke war hier noch attraktiver und selbstbewusst. Und es ging hier nicht um das Officepaket. Es ging um mehr, um alles. Heute Abend würden sich die Weichen stellen, ob es außerhalb der Grenzen des Bürolebens etwas gemeinsames für sie geben würde. Frank war sich sicher, das Anke sich in ihn ein wenig hineinversetzen konnte und wusste, dass er nur aus einem Grunde zu dieser Party gekommen war. Und es waren nicht seine Spielregeln.

Also war ein voller Teller nur ein weiteres Hindernis, dachte Frank. Er schritt auf die Tür zu und sah Anke die Grisinistange abknabbern, was ihn verrückt machte. Er musste an ihr vorbei. Er würde etwas sagen müssen. Dann waren sie auf gleicher Höhe. Beide nur noch mit einem Glas in der Hand. „Mann, jetzt küss mich endlich, zischte sie, zog ihn dabei mit der freien Hand an sich heran, was dazu führte, dass Frank sie mit seinem Körper an den Kühlschrank presste. Und endlich küsste. Vielmehr küsste sie ihn, erst kurz, dann länger und dann solange, bis Elke in die Küche kam und bemerkte „oh“ und „Urs ist immer noch nicht da“. Der kam dann später, fühlte sich unwohl und war wieder gegangen. Womit die leichte Stimmung den Schwung verlor. Frank waren Elkes Ursproblem jetzt gerade mal egal. Er war verwirrt. Nach den Küssen hatte Anke sich wieder zurückgezogen, ihn zwar hin und wieder angeschaut und berührt, aber weitere Küsse hatte es nicht gegeben. „Setzt du mich zu Hause ab?“, hatte sie gefragt, als Frank eine Taxe bestellte.

Zeitzeuge im Video – Widerstand 1933 in Hamburg. Interview mit Heinz Gärtner durch die „Survivors of the Shoah Visual History Foundation“

Video im Anschluss an diesen Text.

Eine Einleitung.

Onkel 1918
„Was machst du da eigentlich immer mit den Stühlen rum, hm?“ Heinrich Gärtner
saß am Küchentisch und sah seinem Sohn Heinz über den Rand der Zeitung zu,
wie dieser Stühle mit Decken drapierte. Heinz ließ sich nicht ablenken. Er war konzentriert bei seiner „Arbeit“. Er verstand gar nicht, was der Onkel, für den er seinen Vater hielt, von ihm wollte. Es war doch klar, hier fährt die Eisenbahn durch den Tunnel. Der Vater sah noch eine Weile schweigend zu und verlor sich in seinen Gedanken. Er war lange weg gewesen in diesem Scheißkrieg. Manchmal ballte er die Fäuste, wenn er sich unbeobachtet fühlte. In Gedanken daran, was er durchmachen musste. Wozu das alles; und jetzt die Kämpfe um die Republik. In den letzten Jahren viel zu wenig Zeit für die Familie. Er ließ Heinz Zeit, ihn als Vater zu sehen. Er hatte verlernt, mit Kindern zu
spielen. Und seine liebe Frau Clara musste alle mit durchbringen, stellte Heinrich mit
Wehmut fest.
Clara saß an der Nähmaschine. Für den kleinen Heinz war das wie ein Lokomotivengeräusch.
Tatatatatatata, tatatatatatatata, tatatatata, tatatatatatatatatat. Tatatatatatatatata.
Tata. Am Bahnhof angekommen. Mit seiner kleinen alten Holzlokomotive, die
sein Vater abgeschliffen und neu bunt lackiert hatte.
Wenn seine Mutter nicht für ihre Kunden nähte, gab es für sie genug für die Kinder
zu schneidern und auszubessern.
Heinz´ Schwester Erna wusch gerade ab und seine Schwester Klara räumte das
Geschirr in den großen Küchenschrank. Sie amüsierten sich köstlich über ihren kleinen
Bruder. Unvermittelt sagte Heinz: „Guck mal Onkel, das ist jetzt Pferd und das Wagen.
Oder ein Bahnhof. Das sieht man doch.“
„Ja, jetzt sehe ich das auch“, lachte Vater Heinrich und freute sich, dass er lachte.
Selten lachte er, seit er aus dem Krieg zurückgekommen war. Er musste sich erst einmal
an das Leben gewöhnen. Sich in dem Durcheinander des Alltags zurechtfinden.
Der einfache Alltag war schon schwer genug. Es gab nun vieles zu regeln, was
vor dem Krieg einfach war und von alleine lief. Der Hunger war das eine Problem, das
andere die neue Republik, die politische Ungewissheit.
Er musste sich in der sozialdemokratischen Partei mit ihren Flügelkämpfen zurecht
finden. Alle mussten außerdem mit sehr wenig Geld auskommen. Richtig satt
bekam er seine Familie nicht. Aber heute war wieder ein Glückstag für die Kinder. Er
freute sich still. Für Heinz gab es eine Sonderration Milch und die Schwestern bekamen
von dem Rest, der übrig blieb.
„Halt doch mal die Decke fest“, forderte Heinz seinen Vater auf. Schweigend half
er seinem Jungen. „Mit der Zeit schaffe ich es vielleicht ganz nach Haus“, dachte Heinrich.
In seinem Kopf erschienen immer wieder die Bilder des Krieges. Die Toten. Der
unglaubliche Lärm der Geschütze. Die Angst vor dem Gas.
Die 12-jährige Erna beobachtete ihren Vater, wie er nun mit ihrem Bruder auf
dem Boden saß. Sie hielt noch die Teller in der Hand, warm vom Abwasch. Sie hatte
ihren Vater vermisst, wenn er immer wieder weg musste. Die Ungewissheit des Wiedersehens.
Nicht alle Väter kamen zurück. Jeder Fronturlaub endete mit einem bitteren
Abschied. Sie war die älteste der Geschwister und lastete sich viel auf, im Haushalt, in
der Schule, bei der Näharbeit, mit der sie ihre Mutter unterstützte. Nur selten hatte ihr
Vater Fronturlaub, wie es ihr immer von den Erwachsenen erklärt wurde. Urlaub! Was
für ein Urlaub, in dem der Vater meistens viel schlief. Sie dachte immer: Urlaub vom
Tod, so müsste es heißen.
Vielleicht konnte sie diese Szene interpretieren, verstehen. Fühlte die Schwere,
mit der der Vater oft am Tisch saß. Empfand das Gewicht, die Unsicherheit seines Eintritts in eine Welt ohne Krieg, seine Rückkehr in die Familie. Er wollte mit keinem Menschen mehr etwas zu tun haben. Sie stellte die Teller ab und nahm ihren Vater flüchtig in den Arm, ungewohnt die Geste, bevor sie sich zu Heinz auf den Boden aus abgeschliffenen, vor langer Zeit überlackierten Holzbohlen setzte. Auf dem abgeräumten
Küchentisch breitete die Mutter ihre Stoffe aus, die sie bis spät in die Nacht schneidern
würde. Heinz improvisierte weiter sein Spiel mit Erna, bis diese schließlich aufstand,
um ihrer Mutter zu helfen. Sie hatte schon frühzeitig gelernt, selbst ständig zu arbeiten,
zu erkennen was notwendig war. Darauf würde sie sich ihr ganzes Leben stützen müssen, sie, der man später nachsagen würde, kein Mann sei gut genug für sie. Sie war für die Familie da, so sah sie ihre Aufgabe in dieser Zeit. Sie kümmerte sich um Heinz, der mit einer Blasenentzündung ein Vierteljahr im Krankenhaus gelegen hatte, um ihre
Schwester Klara, wenn diese vor Hunger Bauchschmerzen hatte und weinte. Vieles blieb
unausgesprochen in dieser Zeit. Die Sehnsucht nach Glück verbarg sie hinter Pflichtgefühl.
Der einzige Mann in ihrem Leben, Franzl, blieb später im Krieg. Ein Bild von
ihm in Uniform – schnieke – bewahrte sie ihr Leben lang gut auf. Ein kurzes Glück mit
einem Offizier im Krieg.

 

Die Texte zu diesem Interview: „Onkel 1918“ „1934“ und „Die Verhaftung“. Aus: „Die Kunst des Selbstrasierens. Hamburger Sozialdemokraten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“.

Lloret de Mar – ein Fest der Internationale

Lloret de Mar – ein Fest der Internationale

Das Haus der älteren Dame liegt oberhalb der lärmenden Stadt in einem kleinen Villengebiet, zu erreichen über eine kurvenreiche Straße, vorbei an abenteuerlich in den Berg gesprengten Villen. Das Haus und sie selbst scheinen mit den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts verbunden zu sein. In einer Welt hinter einer wunderschönen hohen Mauer, mit drei Katzen, die ihr zugelaufen sind. Die ältere Dame geht nur in die Stadt, um zum Arzt, zum Einkaufen oder zur Bank zu gehen. Es kommen der Gärtner, der Poolkeeper und einmal in der Woche eine Freundin.
Der Blick auf das Meer ist von hier aus fast frei, allerdings hat eine koruppte Verwaltung einen Neubau gegenüber erlaubt, der den Meerblick einschränkt. Es ist aber dennoch genug Blick vorhanden, auf das Meer, Lloret und Canyelle. Eine kleine Oase, eine Insel im Lärm der Welt, die mit der vergangenen Zeit scheinbar eine Endlosschleife beschreibt. Der Mann ist lange verstorben, ist aber in Erzählungen lebendig, die die Zeit hier hin und her schaukeln lassen.
Die Stadt, man muss fünf Minuten mit dem Auto hinunter fahren, wabert und bebt in der Juli Hitze. Lloret de Mar feiert die Internationale, die hier vollkommen erscheint. Menschen, die Jugend aus allen Ostblockländern, den Ländern der europäischen Gemeinschaft, aus Asien schleppen sich durch die Straßen der Plastikwelt. Sie sitzen halbnackt in den Restaurant, vertändigen sich wie Primaten, sabbern sich dabei das Eis auf das Kinn, auf die Bluse und aufs Hemd, essen glücklich scheinbar spanische Paella. All you can eat, all you can drink, and all you can hear: Jeder hat einen eigenen Lautsprecher mit eigener Musik dabei, billig zu haben in den Shops. Sie müssen laut sprechen um sich zu verständigen. Keiner hört, all you can app hängen die Köpfe. Aufgespritzte Lippen, Selfies, Fotos, Tatoos. Fröhliche Jugendliche, Gruppe von Jungen und Mädchen die wirklich ihren Spaß haben. Ihnen gehört der öffentliche Raum. Sie nehmen sich die Welt. Wie in Kalle Blomquist, der Meisterdektiv, wo ein alter Mann den Tagen der Kindheit nachhängt: ja, ja, glückliche Tage der Kindheit. Immer wiederholt vor sich hin brabbelt. Ja, ja, glückliche Tage der Kindheit, ja,ja. Und das Meer rauscht dagegen an. Ein Plastikfischer fischt darin, am Strand räumt ein Bagger das yes we can all you eat, drink, hear,cry, trash, der glücklichen Generation beiseite. In der Lloret sind auf großen Fahnen und Schildern riesige Ohren abgebildet, die auffordern, auf das eigenen Lärmen zu achten. Schütze Deine Ohren und die Deiner Mitmenschen!
Der ganze Schmelztiegel ganz ohne jegliche Aggressivität, vielleicht mit etwas Unmut. Manchmal lächelt jemand, fast entschuldigend, dass er da ist, den Weg kreuzt, wenn es sich in der Gasse staut. Ein seltenes, verstehendes Anlächeln unter den vielen Individuen die nur sich selbst sehen und optimieren. Wie eine Feier vor dem Pesttod. Dazu flattern die Fahnen der katalanischen Seperatisten von den Häusern, die Freiheit für die politischen Gefangenen und Freiheit für Puigdemont fordern – und einen eigenständigen Staat Katalonien.
Im Haus der alten Dame ist es ruhig. Das Meer in der Ferne glitzert und der Wind weht leise die Geräusche der all inclusive Welt herauf. Der kleine Pool lädt abseits der Massen glitzernd zum Baden ein. Er bietet nur Platz für wenige Glückliche.
Lloret, ist nicht das Ende, wahrscheinlich nicht. Im Gegenteil, möglicherweise das Pralle Leben, die Lust auf das Heute. Eine unbeschwerte Inbesitznahme der Stadt, des Strandes, der Straßen. Ein Fest des Lebens.

Drehbuch 007 Herzständer. Miniatur von Ripp Corby.

Drehbuch 007/ Herzständer. Miniatur aus dem Leben von Ripp Corby

Ripp hat die Aufgabe, den Plot für ein Drehbuch zu schreiben – wie immer gibt die Jury ihm lediglich drei Minuten Zeit dafür. Was an sich nicht bedauerlich ist, sondern in der Regel sehr effektiv. Mehr Zeit bringt nicht immer mehr Qualität. Der Titel soll „Herzständer“ lauten. Außerdem ist vorgegeben, bestimmte Gegenstände zu berücksichtigen: Stethoskop, Rückenmassage-Selfi, Weihnachtsstern, Plüschkaktus und eine goldene Schallplatte.
007, das bedeutet immer Tote in Hülle und Fülle. Damit muss Ripp also nicht sparen. Er kann seine Szene also voll ausleuchten: Es sieht grausam aus. Diese Grausamkeit wird kreiert – durch die Kombination aus Idylle, Schönheit, eine langsame Kameraführung, deren Bilder in einem Spiegel der sich im Raum befindet, zu hoher Geschwindigkeit gebrochen werden und den – unvermeidlichen – Tod. Die, wie es scheint im ursprünglichen Zustand sehr ansehnliche Frau, liegt auf dem Boden und hält dabei eine goldene Schallplatte im Lebenskampf umklammert. Paradox ist das sie umgebende vollkommene ausgewählte, edle Interieur, das Stageing des Raumes. Der Weihnachtsstern am Tannenbaum leuchtet rosa, ein Plüschhase lieg unter ihrem Kopf, noch halb in der üppigen Geschenkpapierverpackung eingeschlagen.
007 kratzte sich am Rücken. Eine Schusswunde von gestern war noch nicht ansatzweise verheilt. Was gäbe er jetzt für seinen Rückenmassage-Selfi. 007 konzentriert sich. Nichts deutet im ersten Augenblick auf Mord hin. Ein Mann im weißen Kittel und einem Stethoskop in der Hand schüttelt den Kopf. Nichts zu machen, kann das heißen oder Todesursache unklar. Das bleibt offen. Aber vielleicht lassen sich durch die Laboranalysen weitere Erkenntnisse gewinnen, da es Kampfspuren gibt. Fremde DNA und so weiter. Er wird die Haare des Plüschkaktusses unter die Lupe nehmen müssen. Das Unwahrscheinliche ist das Wahrscheinliche. Gift vermutet er. Die Russen. Er gabelt den Plüschhasen auf, was ihm mit seiner Schusswunde im Rücken schwerfällt. Die Anstrengung lässt sein Herz höher schlagen. Er würde sicher bald einen Herzständer brauchen oder Stent, so heißt das Teil wohl korrekt. Oder kommt das vom Plüschhasen? Den legt er schnell wieder auf den Boden. Hier war jetzt erst einmal für ihn nichts mehr zu tun. Aufräumen war Sache der Polizei. 007 muss nach Moskau, zu Wladimir Nitup. Der ist der Schlüssel zu allem.
Ripp lässt den Stift sinken. Drei Minuten sind um.

Ripp Corby Miniatur 2: Puigdemont der Putschdämon

Ein Putschdämon zieht durchs Land. Puigdemont an Seehofers Hand.

Vom Norden bis zum Söderhof. Putsch Dämonen lucken auch von Rechts.

Kein Land in Sicht. Frau Merkel will es nicht.

Zu ungewiss und nicht bequem. Ein internationales Nationalvergehn.

In Madrid die noblen Generäle. Die selbst Putsch und Dämonen vertrauen.

Können immer auf die Deutschen bauen.

Separat ist aber kein Konflikt, wenn die Uhr in Bayern tickt.

Miniatur 1. Von Ripp Corby

Minuten Miniatur (Improvisationslesung von meinem Freund Ripp Corby)

Der perfekte Tag

Ich hatte nur diese eine Chance für einen perfekten Tag in Venedig.

Die Bedingung war, einen Ohren-und Nasenhaarschneider, eine Flamingo-Tapete, eine Krücke, eine Federboa und eine Schokoladenmaske ins Spiel zu bringen.
Ich entschied mich für den Karneval in Venedig.
Beim Karneval wollte ich in die erste Reihe gelangen und ein Selfie machen – und die Belohnung wäre mir sicher.
Ich hatte mich auf diesen perfekten Tag gefreut. Carneval in Venedig, erste Reihe. Das war die Aufgabe.
Ich schneiderte mir aus der Flamingotapete ein luftiges Hemd, fühlte mich beschwingt und frei. Die Federboa schmückte meinen Hals, die Schokoladenmaske tarnte mich. Meine Gesichtshaare hatte ich entfernt, ebenso die Haare in der Nase und in den Ohren mit dem Nasen-und Ohrenschneider beseitigt, für einen perfekten Sitz der Maske.
Wie sollte ich aber nach vorne kommen, weit nach vorne, in die erste Reihe? Die Krücke würde mir helfen, dachte ich. Aber der Trick misslang, weil mindestens 50 Leute auf Krücken und Rollstühlen versuchten, nach vorne zu kommen. Der Versehrtentrick. Bedauerlich für die wirklichen Menschen mit Handicap.
Ich hatte kein Alleinstellungsmerkmal als Versehrter.
Es fing dann auch noch an zu regnen, die Maske zerlief, das Tapetenhemd löste sich auf, wie der Carneval.

Miniatur 1. Karneval. Von Ripp Corby

Eine Drei-Minuten Miniatur (Improvisationslesung von Ripp Corby)

Der perfekte Tag

Ich hatte nur diese eine Chance für einen perfekten Tag in Venedig.

Die Bedingung war, einen Ohren-und Nasenhaarschneider, eine Flamingo-Tapete, eine Krücke, eine Federboa und eine Schokoladenmaske ins Spiel zu bringen.
Ich entschied mich für den Karneval in Venedig.
Beim Karneval wollte ich in die erste Reihe gelangen und ein Selfie machen – und die Belohnung wäre mir sicher.
Ich hatte mich auf diesen perfekten Tag gefreut. Karneval in Venedig, erste Reihe. Das war die Aufgabe.
Ich schneiderte mir aus der Flamingotapete ein luftiges Hemd, fühlte mich beschwingt und frei. Die Federboa schmückte meinen Hals, die Schokoladenmaske tarnte mich. Meine Gesichtshaare hatte ich entfernt, ebenso die Haare in der Nase und in den Ohren mit dem Nasen-und Ohrenschneider beseitigt, für einen perfekten Sitz der Maske.
Wie sollte ich aber nach vorne kommen, weit nach vorne, in die erste Reihe? Die Krücke würde mir helfen, dachte ich. Aber der Trick misslang, weil mindestens 50 Leute auf Krücken und Rollstühlen versuchten, nach vorne zu kommen. Der Versehrtentrick. Bedauerlich für die wirklichen Menschen mit Handicap.
Ich hatte kein Alleinstellungsmerkmal als Versehrter.
Es fing dann auch noch an zu regnen, die Maske zerlief, das Tapetenhemd löste sich auf, wie der Carneval.