Ambigue Begegnung – Srebrenicia

Lamellen – Begegnungen – eine Vorgeschichte von Jens Gärtner und Svenja Hirsch. Aus: Ambigue Begegnungen, Bod Verlag.

In Screbrenica wurden im Juli 1995 während des Bosnien Krieges über 8200 Jungen, Männer, Greise, einfach jede männliche Person ermordet. Das Massaker wurde unter der Führung von Ratko Mladic (Armee der Republice Srpske, der Polizei und Paramilitärs) verübt.

Das Fenster geht über die gesamte Zimmerfront. Auf derFensterbank ein Blumenkübel mit abgebrochenen Stielen. Ich sollte sie mehr pflegen, mehr gießen. Sie sehen traurig aus, trocken und verdorben. So wie ich. Das Licht des Computer-Bildschirms färbt bläulich auf die Zweige ab, auf meine Hände. Seit einer halben Stunde beobachte ich das Farbspiel, starre apathisch aus dem Fenster. Ein Wohnblock neben dem nächsten, aufgebaut in Reih und Glied. Zwischendrin nur die Balkone, kleine Terrassen und Gärten, ein schmaler Gehweg.
Von der Seite her rauscht die Straße. Die Fenster gegenüber sind gardinenverhangen.
Alte Leute, denke ich und schaue kurz zurück auf den Bildschirm. Nur das eine, schräg rechts, hat keine weißen, fließenden Spitzenstoffe. Ein Lamellenrollo verdeckt, wenn etwas verdeckt werden soll. Zeigt, wenn etwas gezeigt werden soll, oder deutet an, was sich dahinter verbergen könnte. Ich kneife die Augen zusammen, schaue dann schnell wieder weg. MeineGardinen sind weiß und schwer, mit großen Ösen, nur zugezogen, wenn ich schlafe. Sonst kann jeder von gegenüber sehen, wie ich alleine und zusammengerollt auf meiner 90 cm breiten Matratze liege. Kein Platz für einen zweiten Menschen in der Ein-Zimmer- Wohnung. Jetzt sind die Gardinen zu beiden Seiten aufgezogen, geben den Blick auf mich an meinem Schreibtisch frei.

Hinter den Lamellen ist ein Schatten. Ein Kind oder ein sitzender Erwachsener. Schreibtischhöhe, meine Höhe. Er bewegt sich und wird länger. Kein Kind, ein ausgewachsener Mensch. Steht frontal, entweder mit dem Rücken oder Gesicht zu mir, breites Kreuz, ein Mann. Er könnte mich jetzt gut beobachten oder sehen, dass ich ihn beobachte, denke ich und schaue weiter zu den Lamellen. Der Schatten bewegt sich, ein zweiter kommt dazu, hinten aus dem Licht einer geöffneten Tür. Oder dem, was ich als diese Tür erkenne. Ich arbeite weiter, öffne Back-Ends, tippe Codes in Masken und aktualisiere. Die Zeit vergeht, ich fülle die Online-Shops meiner Kunden mit neuen Produkten. Trash, denke ich, doch er bringt mir Geld. Bezahlt die Ein-Zimmer-Wohnung mit dem schmalen Bett. Geradeso. Bestandskunden, die ich in meiner guten Zeit als selbstständige OnlineShop-Managerin akquiriert habe. Jetzt mache ich kaum noch Akquise, die Kunden schwinden, die Kontakte generell. Sie gehen mir aus. Drüben brennt noch Licht. Als ich den PC runterfahre, ist es bei mir stockdunkel. Dann werden auch die Lamellen sorgsam von innen geschlossen.

Eigentlich ist es mir völlig egal, was die Leute über mich denken, Sie denken ja, was sie wollen. Ich habe meine Fenster gern offen, frei von Stoff, anders als viele hier. Biete, wem auch immer, Einblick. Manchmal nur ein wenig durch schräg gestellte Lamellen. Andere haben allerdings Gardinen, vielleicht nur, um sich dahinter zu verstecken. Die Häuser stehen sich eng gegenüber und geben Einblick in das 100fache Theater in den Schubkästen. Wie Puppenstuben. Wohnzimmer, Schlafzimmer. Wenn die Häuser nach Norden ausgerichtet sind, kann man auch in die Küchen blicken, in die Töpfe gucken. Sehen, wer alleine lebt, Familienleben, wechselnde Partner, nackte Menschen in allen erdenklichen Situationen. Schamlos, vergesslich. Das alles wird von vielen gar nicht mehr wahrgenommen, denke ich, sie nehmen es wie Autoverkehr, in den sie sich einfügen. Gedankenlos,eng beieinander und dennoch anonym. Wen interessiert das schon. Gegenüber sehe ich im Hintergrund eine bläulich illuminierte Silhouette, die sich im Fenster spiegelt. Wieder so eine einsame Person, die sich am Computer festhält, bis sie einschlafen kann. Ich schließe die Lamellen.

Ich sitze gern am Fenster. Wenn ich mich zu sehr beobachtet fühle, schließe ich die Lamellen auf eine Weise, die mir die Möglichkeit lässt, hindurch zu blinzeln und das Geschehen auf der Straße zu verfolgen.

Auch die mittleren Etagen kann ich dann einsehen, dass reicht mir meistens. Ich habe mich einmal in das Treppenhaus gegenüber begeben, um auszuprobieren, was man von dort aus sehen kann. Manchmal, wenn ich jemanden bemerke, spiele ich auch mit der Fensterverdunklung. Egal wer da guckt. Ein Angebot im Schubkastentheater, ja das biete ich manchmal.

In den nächsten Tagen brennt die Sonne in meine Wohnung. Tagsüber muss ich den linken Vorhang ein Stück zuziehen, um nicht komplett zu verbrennen. Ich arbeite, sitze, starre gegen den Stoff. Wie eingepfercht in den eigenen vier Wänden, der Blick kann nicht weit schweifen, er bleibt nur wenige Zentimeter weiter stehen, verirrt sich in dem Weiß, bis er ermüdet aufgibt. Nachmittags lässt sich der Vorhang endlich wieder ganz öffnen. Mein Blick wandert jedes Mal zu den Lamellen, jedes Mal dasselbe Spiel: Ein Schatten, der hinter dem Rollo sitzt, sich erhebt, einige Zeit wie erstarrt verweilt. Ich fühle mich beobachtet und beobachte doch penetrant zurück. So geht es bis zum Freitag. Keine Alternative. Nicht jetzt. Seit zwei Jahren wohne ich hier. Davor war mein Leben fast vier Jahre angenehm. So dachte ich zumindest. Oder vielleicht waren es weniger als vier Jahre, ich bin mir nicht sicher, habe den Wendepunkt weit verpasst. Erst hinterher, als es schon zu spät war und ich mit gepackten Kisten an der Straße saß, dämmerte es mir langsam. Zu zweit war ich. Doch irgendwann spürte ich Einsamkeit.

Die kleinlichen Vorwürfen, zuerst kaum spürbare Verletzungen, die, je mehr es wurden, auch die Wunden tiefer rissen. Die Ablehnung.

Erst nur von romantischen Gesten: Zwei Weihnachtsplätzchen auf einem Teller, einer in Schlüsselform und einer als Herz. Und die andere, versteinerte Miene mir entgegensah, die Worte „ich kann so etwas nicht“. Dann die Ablehnung von dem, was ich war: Meine Lieblingsbilder, meine Bücher, es war alles nicht mehr genug. Nicht mehr auszuhalten, nicht erwünscht. Ich habe das gelernt. Ich habe es für mich angenommen, Romantik gebe ich keinem mehr. Deshalb das 90-cm-Bett, die kleine Wohnung, nur mit mir am PC.

Ich bin erschöpft vom vielen und langen Sitzen, die Augen brennen. Ich ziehe mich aus dem Stuhl hoch, stemme die Hände in den unteren Rücken und drücke das Kreuz durch, sodass es knackt. Frontal stehe ich an meinem Fenster, wieder beobachtend, was diesmal hinter den Lamellen passiert.

Heute regnet es endlich. Häufiger als sonst sind die Gardinen in den Wohnungen gegenüber zurückgezogen. Wahrscheinlich taten es die meisten, so, als biete der Regen ausreichenden Schutz vor eindringenden Blicken. Eine natürliche Längslamelle. Oder es waren Hoffende, die auf besseres Wetter warteten, die Sonne zurücksehnten. Zeitweise zogen die Wolken dicht und schwarz über die Häuser, dass sie wie die Nacht selbst die Dunkelheit vor die Fenster und auf die regennasse Straße warf. Ich blickte in das Grau der Straße, die sich mit dem Himmel zu vereinen schien. In dieses Grau hinein trat eine noch dunkler gekleidete Person, mit einem schwarzen Schirm geschützt, in den Windfang vor der Eingangstür. Das konnte ich von meinem Platz aus gerade noch erahnen. Dann klingelte es bei mir. Ich öffne nicht. Ich will nicht. Ich kenne hier niemanden. Nur gegenüber eine Person, deren Schatten ich hin und wieder sehe. Das reicht mir. Es gibt keine Person mehr, die mir nah ist, also kann ich nicht gemeint sein. Dennoch spüre ich, dass da etwas ist, was ich weiß und das es noch Menschen gibt, die mich vielleicht kennen. Srebrenica ist weit weg. Aber eine Angst ist ganz nah, immer bei mir. Eine Angst, die ich nicht erklären kann. Die ich aus mir verbannen will, indem ich für mich bleibe. Schemen reichen mir.

Der erste Schatten steht am Fenster, hinter ihm Licht, dass durch die Türöffnung steht. Ein Türlichtfeld. Der zweite Schatten bewegt sich in den Raum. Dann stehen beide ganz dicht beieinander, umarmen sich vielleicht. Der zweite bewegt sich einen Schritt zurück, beugt sich zu dem ersten. Sie küssen sich bestimmt, denke ich. Ein warmes Gefühl durchwühlt mich. Schnell und zaghaft. Dann weicht das Gefühl zurück. So sieht auch der zweite Schatten aus, als ob er zurückweiche. Ich kneife die Augen zusammen, schiebe das Kinn nach vorne. Ich stehe einfach da. Die Szenerie kommt mir unwirklich vor, sie fällt heraus aus dem, was die vergangenen Tage hinter den Lamellen geschehen ist. Oder von dem, was ich denke, dass es geschehen sein könnte. Der Schatten bewegt sich minimal, es scheint, als blicke er zu mir herauf. Er verharrt. Der zweite Schatten sieht so aus, als bewege er sich auf den ersten zu. Ich halt die Luft an. Es geht alles ganz schnell. Kaum eine Millisekunde, so schnell, dass ich es nicht begreifen kann und der erste Schatten fällt nach unten. Nichts ist mehr zu sehen. Nur der zweite Schatten, wie er langsam bis ganz ans Fenster tritt, den Kopf gehoben geradeaus, die Lamellen, die sich langsam meinem Blick verschließen.

Ich kenne die Frau nur flüchtig. Ich erkenne sie in ihrem alt gewordenen Gesicht. Aber ich weiß nicht mehr, wer sie war oder gar wie sie hieß. Es stellt sich auch kein Gefühl ein. Sie sagt, sie kenne mich gut. Sie lacht. Warum lacht sie, denke ich. Ein Tee? Ein Kaffee? Etwas anbieten oder keine Zeit haben? Ein Tee wäre jetzt doch gut, sagt die Frau. Ich will meine Lamellen ein wenig weiter öffnen, damit die Person von gegenüber, die immerzu bläulich gefärbte Person, teilhaben kann an meinem Besuch, der mir nach der ersten Überraschung gar nicht mehr bekannt vorkommt. Die weiß, dass ich zurück gucke, sie muss es wissen, sonst macht alles keinen Sinn. Sie könnte Zeugin sein. Ich weiß noch nicht wovon. Sie steht da am Fenster und ich scheine ein Teil von ihrer Welt zu sein. Erst will ich das Teewasser aufsetzen. Es klingelt wieder. Die Frau öffnet, bevor ich bereit bin. Ich weiß nicht, warum ich das zulasse.
Es ist außerdem völlig unaufgeräumt. Was soll ich zuerst machen? Schnell schiebe ich den großen Kleiderständer beiseite. Meinen fast zwei Meter hoher Butler, der wie immer mit Kleidungsstücken, die ich in den letzten Wochen getragen hatte, viel zu voll gepackt war. Meine Aktion ist zu abrupt und das Monstrum kippt, in Zeitlupe zwar, unaufhaltsam zu Boden. Er fällt leicht, weich und leise, gemildert durch den Berg von Klamotten. Lärm macht lediglich das rahmenlos verglaste Poster, welches im Fallen von der Wand gerissen wird. Dann stehen unvermittelt zwei Frauen im Raum. Sie lachen, sie freuen sich scheinbar über das Chaos. Sie sehen sich an und lachen wieder, die zuletzt gekommene Frau sagt:“Ich gehe dann mal in die Küche.“ Sie schwingt sich dynamisch auf einem mit einem dunkelgrünen Highheal beschuhten Fuß in Richtung Küche. Woher weiß sie, wo die Küche ist, denke ich noch, bevor die erste Frau, die mit dem alten Gesicht sagt: „Wir haben Kekse mitgebracht.“ Ich komme nicht darauf. Wer ist sie, und Kekse, was für Kekse? „Wir trinken erst einmal einen Tee und dann räumen wir auf, nicht?“ „Woher kennen Sie mich?“, frage ich. Mittlerweile sitze ich auf meinem Sofa, von wo aus ich sowohl den Raum als auch das Fenster sehen kann. Sie sagt nichts, lächelte aber freundlich. Dabei blitzten zwei silbern überkronte Schneidezähne aus ihrem Mund.
Das Dorf, sagt sie nach einer Weile, und jetzt blitzen auch ihre Augen. Aber sie sieht aus, wie jede Frau aus einem Dorf, jedenfalls in ihrem Alter sieht sie aus, wie jede Frau. Eine beliebige Nachbarin aus einem Dorf , ja genau, ich fange an, mich zu erinnern. Ein Dorf an der Drina, in einem Chaos der „Säuberung“. Was machen sie jetzt hier? Ich sehe sie in einem Strom von Menschen, die in alle Richtungen laufen. Die einen Blauhelmsoldaten anschreien, eine Straße blockieren, um Zeit zu gewinnen. Aber das ist sinnlos, denn die Blauhelme verschwinden, die Menschen sind auf sich gestellt. Jeder für sich. Ich für mich. Der Lärm der Granaten die dann kommen, ist verschwunden. Hier ist es still. Hier soll es still bleiben. Das laute Töten geht mich nichts mehr an. Ich nehme einen dieser Kekse. Sie schmecken bitter und zuckersüß. Ich nehme noch einen. Wenn ich kaue, muss ich nicht reden. Worüber auch reden? Blute ich?

Kann das Gewalt gewesen sein? Körperliche. Seelische meine ich zu kennen – schon als ich mit ihm zusammenzog, war ich nicht gänzlich willkommen. Und dann nach zwei Jahren die Haussuche. Ich suchte, sollte aber nicht im Grundbuch stehen. Er traute mir nicht. Er meinte, ich könne ihn ausnehmen. Stattdessen wollte er mich ausnehmen. Ich sollte Miete zahlen, dort im Eigenheim, zahlen für etwas, das ich am Ende nicht besitzen würde, damit er es am Ende besaß. Ich begriff das erst später. So isoliert war ich, dass ich es kaum mehr spürte. Als wäre auch mein Schatten nach unten gefallen, nicht mehr sichtbar. Mein Glück? Ich hatte es nicht verteidigt gegen ihn. Gegen ihn und für mich. Und jetzt sitze ich hier. Ich kann an dem Leben der anderen teilnehmen, wenn ich durch die Scheiben sehe. Mein Kopf erledigt den Rest. Hinter Scheiben können sie mir nichts anhaben, diese Menschen. Wie die wilden Tiere im Zoo. Ich sehe sie und ihr Leben. Glaube, in Kontakt zu stehen und doch können sie nicht an mich ran, mir nichts anhaben. Mir nicht weh tun.

In meinem Kopf dreht sich alles. Zu laut und schwer, wie Kreislauf an einem heißen Sommertag. Habe ich je jemanden in das Haus gegenüber gehen sehen? Und wenn ja, wie könnte ich den- oder diejenige zuordnen? Als Gast hinter den Lamellen? Wenn ein Schatten runter fällt und
wegbleibt. Ist er dann tot? Oder durch ein Licht weg geblendet? Hörte man einen Schuss? Etwas, das nicht im Stande war, zu mir herüber zu dringen, wie ein Schlag oder ein Stich? Und sollte ich rüber gehen? Sollte ich die Polizei rufen, würde man mich für verrückt erklären? Hat es hinter den Lamellen schon eine Putzaktion gegeben, alle Spuren verwischt? Ein Mord oder nur ein ermordeter Schatten?
Ich stehe vor der Tür, die Jacke fest um mich gewickelt. Friere. Bekomme kalte Füße. Alles Grau in Grau. Ich starre auf das Klingelschild. Welcher Name könnte zu den Lamellen passen? Peters? Korniman? Jemand kommt aus dem Haus. Der erste Mensch seit Tagen, den ich ohne Fenster zwischen ihm und mir anschaue. Ich reagiere schnell, nicke, lächle, fasse an die Glasscheibe der Tür und halte mir diese in den Hauseingang auf. Wieder dieses Kreislaufproblem. Mir ist schwindelig. Menschen. Menschen machen mich wahnsinnig, wenn keine Scheibe zwischen ihnen und mir ist. Und doch spüre ich, wie ich nach dem Kontakt geradezu lechze, ich fühle mich wie ausgehungert. Als habe ich mir eben gerade, durch die Begegnung auf der Treppe eine Spritze gesetzt, gefüllt mit einer höchst abhängig machenden Droge. Reingedrückt, ab in die Blutkreislaufbahn. Mehr davon, sonst fange ich noch an zu zittern. Also steige ich die Treppe hinauf. Erster Stock. Hier müsste es sein. Es duftet nach Tee. Soll ich klingeln?

Im Treppenhaus steht noch eine Frau. Ich werde verrückt, werde ich verfolgt? Aber die im Treppenhaus kommt mir bekannt vor. Aus den Augenwinkeln heraus scheint die Frau Ähnlichkeit mit der bläulich beleuchteten Person von Gegenüber zu haben. Ich erschrecke. Machten die gemeinsame Sache? Komm leg dich aufs Bett, hatten sie mich aufgefordert. „Du bist ja ganz blass, lachen sie. Die zweite Frau, die zuletzt gekommen war und genau wie die erste keinen Namen nannte, hatte sich schon rückwärts auf mein Bett fallen lassen. Wie waren sie überhaupt im Schlafzimmer gelandet? Weg von den Lamellen! Die erste zog mich am Arm und biss mir in den Hals gebissen. Und gelacht. Dann schubst mich die eine und die andere zog. Ich fliege auf das Bett. Jetzt schreit die zweite: „Was machst du hier in meinem Bett?“ Sie ziehen mir, als ich im Bett zappel, den Gürtel aus der Hose und freuen sich. War das noch Spaß? Dann stoßen sie mich mit den Füssen auf den Boden, treten zu und versuchen mich mit dem Gürtel zu treffen. „Für Srebrenica“, schreien sie. „Wir ziehen Dir die Haut ab.“ „Ich hab doch nichts gemacht!“ , brülle ich. „Genau das ist es ja, du hast nur zugeguckt, du Feigling“. Ich will etwas erwidern, erklären, aber sie wollen nicht reden. Ich drehe mich zur Seite trample und strample mich frei. Mit letzte Kraft renne ich aus der Wohnung gerannt. Ich verliere meine Sinne. Jetzt steht diese Frau hier. Ist sie jetzt in Gefahr?
Kann ich sie da oben rein laufen lassen? Ich laufe an ihr vorbei, über die Straße in das Treppenhaus hinein, was mir von meinen Besuchen bereits vertraut ist. Von hier aus blicke ich in meine Wohnung, in der gerade die Jalousien, die ich vorhin weiter geöffnet hatte, vollständig geschlossen werden. Ich blicke noch einen Moment hinüber. Mein Herz rast und ich schwitze. Diesen Zustand meines Körpers bekomme ich nicht unter Kontrolle. Auf einem Treppenabsatz ruhe ich mich aus, was ich nicht lange aushalte. Als ich wieder aufstehe, sehe ich hinter den Lamellen meiner Wohnung einen schwachen Lichtschein. Er wirkt nicht wie ein Lampenlicht, das würde man in diesem noch schummrigen Tageslicht nicht erkennen. Was für ein Licht kann das sein? Ein Zeichen? Für mich? Ich stehe unschlüssig im Treppenhaus. Soll ich bei der Person klingeln, die immer im bläulichen Licht steht? Mit welcher Begründung? Ich denke, sie sieht mich auch. Fühle, dass sie mich kennt, da wir uns gewissermaßen täglich sehen. Ich wolle „Hallo“ sagen? Aber ich musste doch wissen, ob sie in meiner Wohnung war. Sie war doch meine einzige Bekannte von Gegenüber. Jedenfalls sehe ich sie immer. Wenn sie am Fenster ist. Ich muss doch auch für sie ein Bekannter sein. Unentschieden blicke ich wieder über die Straße. Sie scheint immer breiter zu werden. Ein Schwindel erfasst mich, mein Kopf weitet sich. Die Straße färbt sich blauschwarz zu einem Fluss. Das Wohnhaus gegenüber schrumpft zu einem Häuschen, wie das in Srebrenica. Srebrenica 1995, das Haus das brannte. Aus dem liefen jetzt zwei Frauen heraus und schrien. Ich sah sie weglaufen, voller Angst. Männer liefen ihnen nach. Schüsse fielen. Die Alte mit den Metallzähnen wurde jetzt in meinem Kopf immer jünger und lief rückwärts. Ich erinnerte mich nicht mehr, wer war ich da in Srebrenica, in dem Massaker. Das Haus am Fluss brannte jetzt lichterloh.

Der Mann ist verrückt, nicht ich! Ja, es ist ein erwachsener Mann. Ich habe ihn gesehen. Eben. Ich stand vor seiner Tür. Dreckiges Weiß, Schrammen im Holz. Die Tür wurde von Innen aufgerissen. Er. Nackt. Keuchend. Als habe man ihn gejagt. Schweissüberströmt, wie ein Urmensch aus einer anderen Zeit. Er starrte mich an. Wie ein Gespenst, auf das er gewartet hat. Ich sah an ihm hinunter. Was sollte ich sonst tun? Da fiel es mir auf, seine Hände. Rot. Auffallend rot. Er preschte an mir vorbei, so wie er war, die Treppen hinunter. Ich lief ein paar Schritte hinterher. So verrückt und aufgescheucht hätte er leicht ein Kind erschrecken können. Oder jemanden angreifen. Er könnte jemandem weh tun.

Aber was weiß ich schon über Menschen! In so vielen habe ich mich getäuscht, gerade in den mir so nahe geglaubten. Ich sehe, wie er hinüberläuft, von seinem Treppenhaus in meines. Und ich bin hier. Was tun, was tun? Ich zittere am ganzen Körper. Entzugserscheinung? Oder kann ich ihnen nicht mehr begegnen, den Menschen, so ganz ohne Scheibe, die nackte Realität vor Augen, den ganzen Wahnsinn?

Es gibt kein Zurück. Ich kann nicht hinüber, nicht in meine Wohnung. Da ist er. „Egal wo ich bin, du bist schon da“, der Satz des Todes, ein Satz, der mich an alte Zeiten erinnert. Den er zu mir sagte, im gemeinsamen Bett. Es schmerzt. Ich kann nur hier warten. Oder ganz gehen. Ein paar Straßen weiter. Zur Polizeiwache.

Weiterlesen: In Ambigue Begegnungen, BoD Verlag, ISBN 978-3749453283

Chinesische Sprichwörter in Hongkong

Beitragsbild Isabel Gärtner

Aus gutem Kupfer macht man keine Nägel.

Zwei Brüder saßen vor langer Zeit vor ihren gefüllten Reisschüsseln.
Der kleinere besaß die größere, bunt bemalte,
gefüllt mit einer großen Portion Reis und Gemüse.

Der größere Bruder war immer hungrig,
seine Schüssel war jedoch viel kleiner
und aus rohem Ton.

Als der große Bruder erwachsen wurde,
hatte er Angst, dass ihn seine Familie
wegen seiner Schwäche, gegenüber
der Stärke des kleinen Bruders,
mit dessen bunten, gut gefüllten Schüssel
verachten würde.

Er beschloss, alle Reissetzlinge,
die sein kleiner Bruder gepflanzt hatte,
auszureißen.
„Was nützt eine ungefüllte bunte Schüssel
vor der man mit leeren Magen sitzt“.

So began er,
alle Reispflanzen auszureißen.
Doch dort wo die Reispflanzen standen, schossen
Kupferstäbe aus dem Boden,
der dem kleinen Bruder gehörte.
Das Kupfer fing an zu leuchten.

So berichteten die Leute,
was dem großen Bruder nicht gefiel.
Er stieg auf den hohen Berg vor den Toren der Stadt,
weil er sich selbst überzeugen wollte.
Erst wer die Höhe des Berges erklommen hat,
vermag die Ebene zu übersehen“.

Er sah, dass auch auf seinen Feldern ein wenig Kupfer glühte
Nägel wollte er daraus machen.
Aber er wusste es besser:
Aus gutem Kupfer macht man keine Nägel“.
Wie sollte er diese Art euchtenden Hungers stillen?

Er stieg den Berg hinab
und ließ tausende Fackeln anzünden,
deren Rauch das Leuchten erlöschen sollte.
Der kleine Bruder schwieg dazu.
Der Leise hat eine starke Stimme“, sagte er sich.

Daraufhin klopfte der große Bruder aufgebracht
bei seinem kleinen Bruder an die Tür.
Die Frau des kleinen Bruders
warnte davor, die Tür zu öffnen.

Der leere Kessel macht den größten Krach
und trocken kocht er am schnellsten“,
sagte der kleine Bruder.
Fürchte dich nicht.

Wenn aber draußen die Angst steht?“
Ich habe Vertrauen“, entgegnete der kleine Bruder
und öffnete die Tür.
Siehst Du, es ist niemand da“.

Neues vom Dachboden. „Gastbeitrag“ aus der taz.die tageszeitung vom 04.11.2019: Ein Profiteur der Nazis – Ludwig Erhard

Viele alte Nazis sind die Baumeister des alten und neuen „Rechten“ gewesen. Ein Beispiel: Ex. Bundeskanzler Ludwig Erhard
taz.die tageszeitung vom 04.11.2019 schreibt:
Ludwig Erhard. Ein Profiteur der Nazis. Viele Liberale wollen es nicht glauben: Ein Briefwechsel zwischen Ludwig Erhard und der SS beweist, dass der spätere Bundeskanzler willig mit den Nazis zusammengearbeitet hat.

https://www.taz.de/!5635132

Vom Dachboden: Hamburg im Griff der Nationalsozialisten

Weiteres vom Dachboden

1935, Hamburg im Griff der Nazis. Widerstand, Helfer aus Justiz und Wirtschaft.

Seit zwei Jahren war Hamburg im Griff der Nationalsozialisten.

Das Straßenbild hatte sich entsprechend verändert. Überall Hakenkreuzfahnen,marschierende SA-Trupps, das Deutsche Jungvolk oder eine Mädelschar. „Die Fahnehoch“-Gesänge gingen den jungen Genossen der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) an die Nieren. Auch die Nazis in den Wohnblocks schränkten die Bewegungsfreiheit zunehmend ein. Es war schwieriger geworden, sich politisch zu betätigen und Informationen auszutauschen.

Es war der Gestapo durch Zufall gelungen, Widerstandsgruppen in verschiedenen Stadtteilen auf die Spur zu kommen. Die Jugendorganisation der SPD hatte beschlossen Widerstand zu leisten, nachdem die prominenten sozialdemokratischen Führer ins Ausland abgesetzt hatten. Heute saßen die Genossen in einer der der Gruppen die den Decknamen „Paul Singer“ führte. Sie saßen in Winterhude, aufgebracht bei Ernst in derWohnung. Aufgebracht – und auch bedrückt. Einige wirkten hilflos. Sie hatten geradeerfahren, dass Genossinnen und Genossen den bitteren Weg in Konzentrationslager, Gefängnisse und Zuchthäuser des Dritten Reiches antreten mussten, obwohl viele minderjährigwaren. „Ich habe hier ein Dokument von Oberstaatsanwalt Dr. Reuter.“ Walther hielt ein Stück Papier in der Hand. Er hatte es nicht mehr ausgehalten, für sich allein zu grübeln und hatte sich der Gruppe wieder angeschlossen. „Ihr alle kennt das Konzentrationslager in Fuhlsbüttel. Das muss ich Euch ja nicht mehr erklären. Ich lese das mal vor, damit ihr wisst, was auf euch zukommt. Das hat Reuther sogar an das oberste Parteigericht geschrieben:
„Im KZ Fuhlsbüttel werden, wenn Selbstmord ,feststeht‘, unter Umgehung der gesetzlich vorgeschriebenen Leichenschau usw. die Leichname der Feuerbestattung
zugeführt; alles geschieht mit Wissen und zum Teil unter Druck des Reichsstatthalters,
der in solchen Fällen die Attestierung wünscht und dadurch jedenfalls mitverantwortlich
wird. Beispiel: Wenn ich ins KZ eingeliefert und totgeprügelt werde, dann hängt
man mir im warmen Zustand noch schnell eine Schlinge um den Hals, so dass eine
Strangulationsmarke entsteht, und meine Frau bekommt dann die Mitteilung, ihr Mann
habe, offenbar unter Bewusstsein seiner Schuld, durch Selbstmord seinem Leben ein
Ende gemacht. Denn die untergeordneten Organe, die die Totprügelung direkt zu verantworten haben, finden auch noch einen Physikus, einen Arzt, der einen Totenschein aufgrund eines Befundes mit Strangulationsmarke ausstellt, dass die Todesursache offenbar Selbstmord durch erhängen ist. Gerade ist Heinz Westermann, unser ehemaliger Bürgerschaftsabgeordneter, im KZ ermordet worden. Ich hab gehört, ihm haben sie die Lungen zertreten. Der KZ-Arzt hat sich geweigert, Tod durch Lungenentzündung zu bescheinigen. Da haben sie einen SS-Arzt geholt.“ Walther hatte jetzt Schweißperlen auf der Stirn. Obwohl er bei einigen Aktionen nicht mitmachen wollte, nahm er doch wieder an Gruppenabenden teil. Die Genossen schwiegen betroffen. Dann fragte Lucie: „Woher hast du diese Informationen?“ Ihr schossen die Tränen in die Augen. Sie war in letzter Zeit immer ängstlicher geworden. Walther schwieg einen Augenblick. „Darf ich nicht sagen, aber das stimmt so“, presste er heraus. „Wir müssen weitermachen“, schlug Ernst vor. „Noch sind wir nicht im Blick der Gestapo, weil sie noch mit den Kommunisten beschäftigt sind.“  „Völlige Fehleinschätzung“, schrie Walther. „Beruhigt euch“, schrie jetzt auch Lucie. „Die Menschen müssen doch langsambegreifen, was in Deutschland vor sich geht. Wir dürfen nicht aufgeben. Die Militarisierung ist doch unübersehbar. Und wer will schon wieder Krieg?“ Sie saß in einem langen, grauen Rock auf dem Stubentisch. Lucie arbeitete als Sekretärin in der Schlosserei Braun & Lübbe am Mühlenkamp. Hin und wieder konnte sie etwas Papier mitbringen und Texte auf ihrer Schreibmaschine im Büro entwerfen. Aber auch dort war es gefährlich, jederzeit konnte sie entdeckt werden. Zu viele Überstunden fielen auf. Sie wusste selbst nicht, wie lange sie das noch durchhalten würde. „Ich möchte nicht im Kola-FU landen, ehrlich gesagt fehlt mir der Mut“. Walther

schämte sich. „Wir müssen ja keine Helden sein“, beruhigte Heinz, obwohl er nicht so dachte. „Wir haben uns entschieden, nicht mit Gewalt vorzugehen. Aber Aufklärung, das ist unsere Pflicht, finde ich“. „Dafür gehst du aber auch schon in den Knast“, entgegnete Walther. „Ich nehme es keinem übel, wenn er eine Weile nicht mehr mitmachen möchte“,Lucie strich sich mit beiden Händen durch ihre dichten braunen Locken. Sie blickte zu Boden. „So war das nicht gemeint.“ Walther setzte sich etwas aufrechter hin. „Ich finde das auch nicht angemessen, wo ich wieder dabei bin, so etwas zu sagen. Aber der Tod vom Genossen Westermann hat mich eben getroffen. Hat mir klar gemacht, was es bedeutet, Flugblätter zu verteilen und Zettel an Laternenmasten zu kleben. In jedem Treppenhaus muss man aufpassen, dass man nicht von einem Nazi erwischt wird, wenn man im fünften Stockwerk die Tarnschriften ‚Platons Nachtmahl‘ oder ‚die Kunst des Selbstrasierens‘ auslegt und zum Widerstand aufruft. Und dann sehen muss, dass man schnell wieder aus dem Haus verschwindet. Solange der Protest verdeckter war, ging es mir einfacher damit. Zettel ankleben, das war noch einfacher. Aber wenn der Weg im Treppenhaus versperrt ist, wird es eng, im wahrsten Sinne.“
„Wir können doch beides machen, subtilen Protest und mehr öffentlichen Protest. Jeder soll entscheiden, wie weit er gehen will.“ „Macht euch doch nichts vor“, warf Fritz, ein Genosse, der etwa 19 Jahre alt war. „Wenn die Gruppe auffliegt, kann doch keiner sagen, er hätte nur bei ‚Wilhelm Tell‘ in der Oper an der und der Stelle etwas lauter geklatscht, um die Nazis lächerlich zu machen und Protest zum Ausdruck zu bringen. Also ich meine, wer dabei ist, ist dabei. Wer gehen will, kann gehen. Da hat Lucie recht. Keiner ist da sauer auf den. Ich denke, die Ereignisse spitzen sich zu. Mit Wandern und Musik müssen wir weitermachen. In der Zusammenarbeit mit anderen Gruppen sollten wir noch vorsichtiger sein. Wir dürfen uns nicht gegenseitig gefährden.“ Alle blieben. Sie reichten sich die Hände. „Lasst uns jetzt die weiteren Aktionen vorbereiten“, schlug Heinz vor.

Die Henker

„Nehmen Sie doch das Handbeil, das ist ja jetzt gesetzlich zulässig.“ Max Lahts, Präsident des Strafvollzugsamtes, einer der willigen Vollstrecker des Gauleiters Kaufmann, lächelte zu diesen Worten. „Die Guillotine ist sicherer, wir haben noch keine Henker, die mit dem Handbeil Erfahrung haben, entgegnete der Lübecker Staatsanwalt, der gekommen war, um sich die Hamburger Guillotine auszuleihen. „Wir sind in Hamburg schon seit 1934 erfolgreich mit dieser Methode. Sie kennen ja die Einstellung vom Reichsstatthalter Kaufmann: Die Guillotine als Überbleibsel der Revolution gehört abgeschafft. Die Todesstrafe soll mit dem Handbeil vollstreckt werden. Gut, natürlich, grundsätzlich habe ich aus praktischen Gesichtspunkten nichts dagegen. Wollen Sie sich aber wirklich gegen Kaufmann stellen? Der hat im Moment Oberwasser.“ Max Lahts war sich nicht sicher, ob er seinen Vorgesetzten, seinen Gauleiter Kaufmann, der zwischenzeitlich zum Reichsstatthalter befördert worden war, überzeugen könnte. „Sie könnten hier eine Ausnahme machen, wenn die Fachleute fehlen.“ „Gut, ausnahmsweise lässt sich das vielleicht einrichten, ich prüfe das.“ Der Lübecker Staatsanwalt bedankte sich. „Wir wollen den Kutscher Johannes Fick noch in diesem Jahr hinrichten.“ „Wenn es klappt, sollten wir noch über die Kostenübernahme sprechen. Wir müssten für den Transport zwei Mann abstellen, die Verladung dauert etwa zwei Stun- den, der Aufbau drei bis vier Stunden, wenn drei geeignete Beamte mitfahren. Ach, die Maschine muss hinterher noch gereinigt werden. Dann das Ganze retour.“ „Ich denke, die Kosten spielen keine Rolle,“ erwiderte der Staatsanwalt erleichtert ob der sich abzeichnenden Lösung. „Wissen Sie was, bringen Sie den Mann doch einfach nach Hamburg!“ sagte Lahts. Der Lübecker suchte Gründe dafür, das Urteil in seiner Stadt zu vollstrecken und insistierte: „Wir müssen uns auch als Juristen hier klar verhalten.“

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Heinrich- ein Leben zwischen Kriegen.

Heinrich – ein Leben zwischen Kriegen 1877 bis 1947

Heinrich saß allein in der Küche in der Peter-Marquard-Straße in Hamburg. Vor einigen Tagen war sein Sohn von der Gestapo verhaftet worden. Seine Frau hatte ihm gesagt, er solle alles aufschreiben. Über sein Leben, seine Familie – bevor es zu spät wäre. Jetzt schrieb er mit feiner Handschrift auf lose Blätter, festes, gelbes Papier.

Heinrich hatte den ersten Weltkrieg überstanden, obwohl er die ganze Kriegszeit über gedient hatte. Nur kurze Urlaube und Genesungszeit nach Verwundungen hatten im kurze Unterbrechungen beschert. Er unterhielt sich gern mit seinem Sohn Heinz. Heinz war schon als Junge an Politik interessiert. Aber Heinrich war ein vorsichtiger, verschwiegener Mann geworden und überlegte auch seinem Sohn gegenüber genau, was er sagen wollte. Die Jugend war ungestüm, die Erfahrung mit Tod und Verfolgung hatten sie noch nichtoder nur am Rande gemacht. Gehört ja, dies und das. Auf der Straße etwas mitbekommen.
An einem dieser Gespräche am Abend hatten sie bereits lange diskutiert. Die Dämmerung hatte sich in die Küche geschlichen.Heinrich strich sich über seinen Schnauzbart. Das Gespräch hatte ihn angeregt, aber nun war er sehr müde. Seine Gedanken schweiften in seine eigene Jugendzeit ab. Es war eigentlich immer ein kleiner täglicher Kampf gewesen, erinnerte er. Auch nach dem Kriege, als der Kaiser weg war. „Dagegen ist es jetzt ruhig, also mach dir nicht soviel Gedanken“, meinte er zu Heinz. Der ließ jedoch nicht locker. Also musste sein Vater noch einmal erklären. Für Heinz war vieles noch unklar. Er würde darüber viel lesen müssen, das war ihm schon bewusst. Die Revolution 1919 und die Ereignisse von 1920 kannte er nur aus Erzählungen. Aber woran er sich dunkel erinnerte, waren die Hausdurchsuchungen während des Kapp-Putsches.
Immer wieder musste der Vater davon erzählen. Im Laufe der Zeit hatte der Vater sich eine fast vortragsreife Version zurechtgelegt, die etwa so ging: „Der Kapp Putsch 1920 war ein Aufstand von rechts, der sich gegen die Weimarer Republik richtete. Ein Aufstand von Landsknechten, alten Offizieren und Teilen des Adels, benannt nach seinem Anführer Kapp, einem Beamten. Dieser Putsch wurde aber dann glücklicherweise schnell mit einem Generalstreik beendet. Noch war die Republik stark genug, die Verbindung zwischen den Faschisten und dem Kapital noch nicht so ausgeprägt. Allerdings durften unter Duldung der Polizei insbesondere in Bayern Republikaner beschimpft und zu Tode gejagt werden“, zog Heinrich Gärtner Resümee. „Das Ganze hat zwar nur ungefähr fünf Tage gedauert, aber die Hintermänner blieben unbehelligt, andere Beteiligte sind entkommen. Es gibt einfach zu viele Gegner der Weimarer Republik“. Heinrich, der sonst eher ruhig und beherrscht war, redete sich manchmal dann doch in Rage :“Das kommunistische, bolschewistische Gespenst musste beschrieben und gepflegt werden, um die reaktionäre Reichswehr, die immer noch dem alten Kaiserreich verpflichtet ist, zu legitimieren. Damit wollte man jeder Gegenrevolution schnell begegnen können. Von der Politik, dem Reichstag und den Ministern ist auch heute nichts zu erwarten. Kuhhandel betreiben die, jeder will
seinen Teil für sich sichern. So schnell wie die Kabinette wechseln, kannst du gar nicht gucken. Da ist doch klar, dass überall Enttäuschung und Verbitterung vorherrschen.

Die Soldateska wirtschaftet ungestört weiter. Manche Truppenteile führen sogar ein Fragezeichen am Stahlhelm.“ Heinrich holte eine Zeitung hervor. „Hier, in dieser alten Berliner Volkszeitung, die ich gerade nochmal gelesen habe, schreibt Carl von Ossietzky: ,Übergriffe schlimmster Art sind an der Tagesordnung. Arbeiter, die zur Verteidigung der Republik die Waffe erhoben haben, werden von General von Seeckts ,republikanischen Truppen‘ vor Standgerichte geschleppt. Die Ordnung müsste schließlich hergestellt werden.‘ Standgerichte, dass musst du dir mal vorstellen. Völlig gesetzlos, um mal ein Beispiel für das Chaos zunennen. Mit seiner Reichswehr stellte von Seeckt eine Macht im Staate dar, die völlig unkontrolliert war. Ist schon eine Weile her, aber heute haben wir die Nazis vor der Tür.

Das wird noch schlimmer werden.“

Und es wurde schlimmer, für Heinrich und die ganze Familie. 1936 wurde sein Sohn Heinz im Alter von 26 Jahren wegen Hochverrates verhaftet. Er hatte mit anderen jungen Leuten zum Widerstand gegen das Naziregime aufgerufen.
Für Heinrich Gärtner war die Verhaftung seines Sohnes ein schwerer Schlag. Seiner
Familie Trost zu spenden, fiel ihm schwer. Er hoffte, dass Heinz in Hamburg bleiben würde. Der Gestapokeller im Stadthaus an der Stadhausbrücke und das Kola-FU waren für die meisten die üblichen Stationen. Manche wurden auch wieder freigelassen. Die Hoffnung, dass Heinz am selben Abend zurück sein würde, erfüllte sich nicht. Am nächsten Morgen erreichte ihn eine kurze Nachricht auf einem kleinen Blatt Papier:

„Herrn Heinrich Gärtner, Hamburg, Peter Marquard-Straße 14 I.

Es wird Ihnen mitgeteilt, dass Ihr Sohn Heinz Gärtner, geb.1.3.1916 Hbg., wohnhaft bei Ihnen, am 27.4.36 wegen politischer Umtriebe in Schutzhaft genommen ist und sich im Konzentrationslager Hbg.-Fuhlsbüttel befindet. Geheime Staatspolizei Hamburg 27.4.1936. Dr. A. Stummer.“

Heinz blieb in Haft.

Im Laufe der Zeit wurde Heinrich Gärtner noch stiller, in sich gekehrt. Er versuchte so gut es ging, seiner Frau zur Seite zu stehen. Doch seine Frau Clara starb an gebrochenem Herzen, vier Wochen nach Heinz Verhaftung. Herbst und Winter des Jahres 1936 zogen sich. Die Zeit verging langsamer als sonst. Alles schien überhaupt langsamer und mühsamer zu werden, war schwerer.

Seit dem Ende des Krieges war aus ihm ein zurückhaltender Mensch geworden. Über den Krieg sprach er selten, mit Heinz hatte er gar nicht darüber gesprochen. Was war falsch gelaufen in seinem Leben? So viele Tote, das Ergebnis harter Arbeit, Krieg, sein Sohn im Gefängnis, nur eine Zweizimmerwohnung. Aber so lebten viele Menschen, warum sollte er sich beklagen?

Im Jahr seiner Geburt, 1877, befand sich Hamburg in einer Glanzzeit. Die Stadt prosperierte in der Zeit nach dem Krieg gegen die Franzosen 1870/71. Er war der dritte von vier Jungen, Ernst, Max, Heinrich und Harry. Sein Bruder Max starb im zweiten Lebensjahr an Krämpfen. Dass Kinder sterben, war nicht ungewöhnlich, das Leben war zu jener Zeit ein Kampf. Manchmal feierten sie auch lustige Feste, Harry spielt Gitarre und sang. Durch die Schlachterei, die der Vater, Heinz’ Großvater mit seinen Brüdern gegründet hatte, gab es reichlich Wurst und Schinken aufzulegen. „Was grübelst du, Heinrich?“ Seine Frau hatte eine kurze Pause von ihrer Arbeit an der Nähmaschine genommen. Bis zu ihrem Tod hatte sie jeden Abend noch gearbeitet. Heinrich ließ sich eine Weile Zeit mit seiner Antwort.

„Ich muss das wohl alles einmal aufschreiben, jetzt, da Heinz weg ist. Wer weiß, wie lange Zeit ich noch dafür habe.“ Er wollte seine Frau nicht ängstigen. Ihr ging es seit der Verhaftung von Heinz nicht gut, täglich konnte man erleben, wie sich ihr Zustand verschlechterte. Blass, aber aufrecht saß sie an ihrer Maschine. „Um dich sorge ich mich. Heinz ist klug und vorsichtig, der schafft das schon.“ „Vorsichtig? Dann wäre er jetzt nicht im Kola-FU!“ Mitten in der Stadt, mitten in einer Wohngegend hatten die Nazis ihr Konzentrationslager errichtet. Es gab schon Tote dort…

„Kommunisten waren das, aber Heinz ist noch ein Jugendlicher, ich hoffe jedenfalls, dass es einen Unterschied macht.“ Bereits 1933 wurden einige Komplexe der Fuhlsbüttler Strafanstalten mit politischen Gegnern des Nazi-Regimes belegt. Die Gestapo brachte hier ihre Gefangenen unter, Leitung hatten die SA und die SS. Im Mai 1934 waren es schon an die 100 Häftlinge. „Eine Folterstätte in unserer Stadt. Und Heinrich, du weißt, dass bereits eine Verächtlichmachung der Reichsregierung für eine Verurteilung ausreicht. Tote hat es auch schon gegeben, hab ich doch gerade gesagt. Selbst vor Frauen machen sie nicht halt. Oder es heißt, auf der Flucht erschossen, das haben die Genossen doch schon öfter berichtet.“ Clara Gärtner hatte recht. Das wusste auch ihr Mann, aber er konnte es nicht aussprechen. Jeder ahnte es, jeder der es wissen wollte, konnte Gewissheit erlangen. Immer wieder wurde vom Tod der Häftlinge durch Folter, Hinrichtungen und unmenschliche Behandlungen im Kola-FU oder dessen Außenlagern berichtet. Genossen aus der SPD, der KPD und Gewerkschafter, die sich für die Republik eingesetzt hatten, die für eine gerechte Gesellschaft kämpften. „Hingerichtet haben sie wohl noch keinen. Aber zu Tode gekommen sind einige, da ist es doch egal, wie! Ob Heinz wohl seinen Mund halten kann!“ Sie unterdrückte ihre Tränen. Dann trat sie das Pedal ihrer Nähmaschine. Wie stark sind die Frauen in dieser Zeit, dachte Heinrich, ein Mann kann nicht einmal allein die Familie ernähren. Weiterlesen „Heinrich- ein Leben zwischen Kriegen.“

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Begegnungen auf der Klima-Konferenz oder die heilige Greta von Schweden. Stimmen aus dem Publikum, unkommentiert.

Teilnehmer: V.Ball, Unternehmensberater, R.Corby, Autor, Frau A.Zucker, Investmentberaterin, J.Von Acker, Wissenschaftler, G.Staub, Manager und Fachbuchautor, J.Rosengarten, Ingenieur, T. Lund, Patientenanwalt, Professor Zankowsky, Biologe, J Sohn, Wissenschaftler.

V. Ball stellt folgende steile These in den Raum.

Wir waren einmal das Volk der Dichter und Denker. Heute sind wir offensichtlich nicht mehr ganz dicht: Berlins katholischer Bischof Heiner Koch hat die Vorbildwirkung der Schwedischen Klimaschutz-Heiligen Greta Thunberg mit der von Jesus Christus verglichen. Für mich ist damit so eine Art Endstadium der bizarren gesellschaftspolitischen Rückwärts-Evolution Deutschlands erreicht: Aus einer weltweit beispielhaften Demokratie haben wir uns zurückentwickelt zu einer beispiellosen Bürokratie – zurzeit befinden wir uns in einer gesellschaftsweiten Ideologie – und der Berliner Bischof stößt jetzt das Tor auf zur Idiotie.

R.Corby:
Ein kleiner Einwurf sei hier erlaubt: Es gibt mehr Blogger als es je Schriftsteller in einer Dekade gab.

V.Ball:
Der Gesunde Menschenverstand ist völlig auf der Strecke geblieben. Der Bildungsrepublik Deutschland gelingt es nicht mehr, den jungen Menschen und den alten 68er-Besserwissern die naturwissenschaftlichen Gesetze unseres Lebens auf der Erde zu vermitteln. Ich wage es trotzdem, ein paar Fakten zu nennen, auch auf die Gefahr hin, dass ich dafür öffentlich gesteinigt werde: Die grünen Wälder in Deutschland, auf der ganzen Erde, sind das Zeichen dafür, welch wunderbare Kraft CO2 entfaltet – denn es gäbe kein Grün auf der Erde, wenn es CO2 nicht gäbe. Das sollten auch grüne Ideologen wissen.

A. Zucker:
Darüber werde ich nachdenken! Danke für diese Sichtweise.

R.Corby:
Den gesunden Menschenverstand hat doch Herr Scheuer, unser Vehrkehrtminister erfunden? Meinen Sie diesen gesunden Menschenverstand? Oder doch das gesunde Volksempfinden?

V. Ball:
CO2 wird zum Feind des Menschen erklärt und ein Untergangsszenario aufgebaut, das keinen noch so belegbaren Widerspruch duldet. Wenn es ein globales, erdumspannendes Thema gibt, dann ist es das Klima. Ich leugne es nicht, dass wir dabei sind, das Klima zugrunde zurichten. Aber Greta sollte besser nach Rio fahren und dort demonstrieren. In Brasilien werden jährlich rund 750 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt. Deutschland ist nur mit rund 2,5% am weltweiten CO2 Ausstoß beteiligt! Wir könnten alles auf Null schrauben, es würde nichts ändern. Aber es ist ein willkommenes grünes Feigenblatt. Wir Deutschen werden die vermeintliche Klimarettung teuer bezahlen – auch wenn sich weltweit nichts ändert – und der Rest der Welt schaut mehrheitlich zu.

In der Forschung geht es zudem längst nicht mehr um CO2-Vermeidung, sondern um CO2 -Rückgewinnung. Die Norweger machen es uns gerade vor: Sie setzen Filter auf ihre Industrieschlote, entziehen dem CO2 das O, also das Wasser, und übrig bleibt: Kohle! Die verdichten sie und bauen sie ein in die Hohlräume ihrer früheren Erdölförderung. Das Beispiel zeigt uns den Weg: Es geht um Innovation – nicht um Demonstration!

Bezeichnend für die moralische Erhabenheit einer wachsenden Mehrheit in unserem Land war die Einlassung eines grünen Lehrers aus meinem Umfeld, der meinen neuen Opel SUV kritisierte mit der Frage: „Denkst Du, so ein Auto passt noch in unsere Zeit?“ Er selbst fährt einen Uralt-Volvo in Erinnerung an glorreiche 68er, der aus dem Scheibenwischer-Motor mehr Schadstoffe im Stehen ausstößt, als mein Diesel bei 150 km/h und seinem 6,8 Liter Verbrauch. Herr lass Hirn vom Himmel regnen!

R.Corby:
Wir waren einmal das Volk der Dichter und Denker – heute sind wir nicht mehr ganz dicht? Diese These ist mir auf andere Weise begegnet. Wenn wir schon über Ideologen, Dichter und Denker sprechen – es sind auch andere Populisten in Mode. Im Hansapark war ein anderer mit einer steilen These vertreten: „Jesus ging über Wasser ich gehe über Leichen“ stand auf seinem T-shirt. Er durfte dennoch in die Achterbahn.

Für mich gilt immer noch der Satz: Global denken, Lokal handeln. Allerdings hat sich die Praxis umgekehrt. Wir handeln Global und denken Lokal. Amerika First, Brexit, Grönland nach Amerika.

 

J.von Acker:
Ich dachte zwar immer O wäre Sauerstoff und H2O wäre Wasser, aber mit solchen Kleinigkeiten sollten wir uns bei so viel prophetischer Apokalypse wahrscheinlich nicht aufhalten ?

V. Ball:
Ja, Sie haben recht – auch ein provokanter Redenschreiber wie ich kann sich in der Physik irren. Tut mir leid, dass mein Fehler alles andere überlagert.

G. Staub:

Endlich mal jemand, der dem Wahnsinn die Stirn bietet. Die Ideologie der Grünen wird zur neuen Religion erklärt und jeder, der diese Religion ablehnt ist ein „Sünder“. Wir Deutschen glauben immer noch, dass wir der Nabel der Welt sind und alle nur auf uns schauen. Sicherlich geht es um das Bewusstmachen, aber wir sollten die Kirche im Dorf lassen.

J. Rosengarten

Als weiterführende Lektüre kann ich das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen empfehlen. Für Deutschland gesprochen hoffe ich auf die baldige Ankunft des kleinen Kindes…

 

R.Corby:

Lieber J. Rosengarten, suche das Kind in Dir selbst…es ist in jedem von uns...

T. Lund:

Greta Thunberg is only 16 years old. She is driven by passion. She has in spite of her age been able to reach a whole world, with no academic grades or titles. A young girl who fears what will become of our planet when she watches news and see reports of a Sea where animal life is suffering, more and more species going extinct, and reading reports about pollution in air, land and sea from the waste produced by mankind. She is amazing. People who question her level of knowledge, or put her in a place as expert of science are on the wrong track. Greta has not the scientific data or knowledge. Greta, though has something else. She helps us understand that it is each and every person who must work for a change to prevent pollution of our environment and our planet. If we all do it, we can preserve our habitat. If we continue as before, her generation will start to pay the bill for the environmental decline caused by the actions of our generation.

A. Zucker:

Danke! Sie sprechen mir aus dem Herzen! Ich denke es geht um vieles was nicht geschieht, was aber geschehen soll und ich habe nachgedacht: Die liebe Greta IST wirklich HEILig! Sie trägt dazu aktiv!!! bei die Welt HEILer zu machen – wer kann das von sich selbst behaupten? Ich zitiere T.Lund, weil ich ihm absolut zustimme: „Greta Thunberg ist erst 16 Jahre alt. Sie ist von Leidenschaft getrieben. Trotz ihres Alters hat sie es erreicht, eine ganze Welt zu erreichen, ohne akademische Noten oder Titel. Ein junges Mädchen, das fürchtet, was aus unserem Planeten wird, wenn es Nachrichten sieht und Berichte über ein Meer sieht, in dem Tierleben leidet, immer mehr Arten aussterben und Berichte über die Verschmutzung von Luft, Land und Meer durch die von der Menschheit produzierten Abfälle lesen. Sie ist erstaunlich. Menschen, die ihr Wissen in Frage stellen oder sie als Expertin der Wissenschaft an einen Ort bringen, sind auf dem falschen Weg. Greta hat nicht die wissenschaftlichen Daten oder Wissen. Greta hat aber noch etwas anderes. Sie hilft uns zu verstehen, dass es jeder Mensch ist, der für eine Veränderung arbeiten muss, um die Verschmutzung unserer Umwelt und unseres Planeten zu verhindern. Wenn wir es alle tun, können wir unseren Lebensraum erhalten. …. „Ich denke es geht um vieles was nicht geschieht, was aber geschehen soll und ich habe nachgedacht: Die liebe Greta IST wirklich HEILig! Sie trägt dazu aktiv!!! bei die Welt HEILer zu machen – wer kann das von sich selbst behaupten? Ich zitiere Timo Söderlund, weil ich ihm absolut zustimme: „Greta Thunberg ist erst 16 Jahre alt. Sie ist von Leidenschaft getrieben. Trotz ihres Alters hat sie es erreicht, eine ganze Welt zu erreichen, ohne akademische Noten oder Titel. Ein junges Mädchen, das fürchtet, was aus unserem Planeten wird, wenn es Nachrichten sieht und Berichte über ein Meer sieht, in dem Tierleben leidet, immer mehr Arten aussterben und Berichte über die Verschmutzung von Luft, Land und Meer durch die von der Menschheit produzierten Abfälle lesen. Sie ist erstaunlich. Menschen, die ihr Wissen in Frage stellen oder sie als Expertin der Wissenschaft an einen Ort bringen, sind auf dem falschen Weg. Greta hat nicht die wissenschaftlichen Daten oder Wissen. Greta hat aber noch etwas anderes. Sie hilft uns zu verstehen, dass es jeder Mensch ist, der für eine Veränderung arbeiten muss, um die Verschmutzung unserer Umwelt und unseres Planeten zu verhindern. Wenn wir es alle tun, können wir unseren Lebensraum erhalten. …. “

J. Sohn:
Eine treffende Einlassung. Wenn die Politiker und sogar Kirchenmänner, die Sancta Greta verehren, nur ein Viertel so viel Verstand hätten, wie die meisten der hier Kommentierenden, wäre das sicher hilfreich. Wir müssen uns aber schon an die eigene Nase fassen…  wer hat schon Lust, sich in den Polit-Dschungel zu begeben und sich von Affen und Schlangen beißen zu lassen???

Professor H. Zankowsky

Dichter, Denker – heute? Wie wäre es zunächst mal mit Biologie und Physik auf Mittelstufenniveau? Da passen doch schon 90% aller Politiker und Agitprop-erprobten Redenschreiber…


R.Corby:
Was für eine herrliche Seifenoper! Ein Spiegelbild der politischen Akteure, die das Wort verantwortungsvoll scheinbar an jemanden richten. Oder mit Slovoj Zizek zu sprechen: Die eigene Realität impliziert Dissonanzen. Ist es Tatsache, dass Politiker, Medien und Publikum sich verschwören, um so zu tun, als würden wichtige Dingen überlegt? „Die vorherrschende Ideologie heute ist keine positive Vision irgendeiner utopischen Zukunft, sondern eine zynische Resignation, ein Akzeptieren, wie die Welt `in Wirklichkeit` ist, begleitet mit der Warnung, dass, wenn wir sie zu sehr verändern wollen, der totalitäre Horror folgen wird.“ (Aus: Wie ein Dieb bei Tageslicht S. 274, S Fischer Ffm. 2019.).

An alle hier in herzliches Dankeschön für Ihre Beiträge.