Farewell and Breathing Change / Encounter Paul Celan

The one already dead
waxy thin skin
at the end of his days
or every day
just do some work
destroy what does not come true
will-o‘-the-wisp hammer
be Lenin and Stalin
lost, helpless child
a sacrifice that needs sacrifice
stay in balance powerful loser
Ship without a port
Ukraine does not answer
the oath of love
given in bearskin
he wants dead fill its emptiness
bathed in dragon’s blood vulnerable
looking in the mirror
nothing in sight
people out of breath
turn of the world
breath turn

Encounter: Paul Celan
„Half-eaten, mask-
faced corbel,
deep in the eye slit crypt:
In, up into the skull,
where you break the sky, again and again,
in furrow and whorl
he plants his picture
that outgrows, outgrows.

Abschied und Atemwende

Begegnung mit Paul Celan

Abschied und Atemwende

der bereits tot
wachsbleiche dünne Haut
am Ende seiner Tage
oder aller Tage

nur irgendein Werk vollbringen
vernichten was nicht wahr wird
irrlichtener Hammer
Lenin und Stalin sein

verlorenes, hilfloses Kind
ein Opfer das Opfer braucht
im Gleichgewicht zu bleiben
machtvoller Verlierer

Schiff ohne Hafen
Ukraina antwortet nicht
den Liebesschwur
im Bärenfell gegeben

Tote will er
seine Leere füllen
gebadet in Drachenblut
verwundbar

in den Spiegel blickend
das Nichts vor Augen
Volk außer Atem
Wendung der Welt

Atemwende

Begegnung: Paul Celan

„Halbzerfressener, masken-
gesichtiger Kragstein,
tief in der Augenschlitz-Krypta:

Hinein, hinauf
ins Schädelinnre,
wo du den Himmel umbrichst, wieder und wieder,
in Furche und Windung
pflanzt er sein Bild
das sich entwächst, entwächst.

Ukrainische Tage. Geburtstagsgruß

Geburtstagspostkarte am 1.3.2022

Heinz Gärtner 1916-2001

Lieber Vater.
Heute hast Du Geburtstag. Den 21. nach Deinem Tode 2001. Eine Woche vor 9/11 gestorben. Noch in einer heilen Welt. Ein Sozialdemokrat war damals Kanzler.

Im 1.Weltkrieg wurdest Du geboren. KZ; Gefängnis und Kriegsgefangenschaft hast Du überlebt. Eineinhalb Jahre Kriegsgefangenschaft in Lwiw, Lemberg in der Ukraine. Du hast die SPD nach dem Kriege mit aufgebaut und dich für ein sozialdemokratisches Deutschland eingesetzt. Noch zu Deinen Lebzeiten war Schröder Kanzler und darüber hinaus.
Später wurde dieser sozialdemokratische Kanzler Schröder, Anhänger des Neokapitalismus und der Ich-AG, ein Verräter der alten Sozialdemokraten. Hat die Arbeiterklasse sich selbst überlassen. Wurde Vasall und Diener des russischen Präsidenten Putin. Für Geld, Frauen und Gloria. Für ihn ist der Diktator Putin ein lupenreiner Demokrat. Beide sind Verlierertypen und verstehen sich deshalb gut. Der Diktator führt heute Krieg in der Ukraine. Da wo Du in der Kriegsgefangenschaft die Birken gefällt hast. Putin bombt gegen das Brudervolk, welches Demokratie will. Der Sozialdemokrat Schröder schweigt. Was würdest Du ihm sagen?  Für ihn ist Demokratie kein Gut, für das man einstehen muss, so scheint es. Aber es gibt kein richtiges Bewusstsein, ein richtiges Leben im falschen Leben. Was meinst Du? Neulich habe ich sogar von Schröder geträumt. Die Nibelungensage: Er war als Hagen verkleidet und hat Siegfried die Lanze in den Rücken gestoßen. Dort wo der Rücken nicht vom Drachenblut geschützt war. Im selben Traum hatte Putin einen Drachenschwanz mit einer Hand gepackt. Eine Stimme flüsterte: „Vergiss nicht, dass der Drache am anderen Ende ein großes Maul hat. Du darfst nie wieder loslassen“.
Heute ist wieder ein Sozialdemokrat Kanzler. Olaf. Olaf Scholz. Du kennst ihn gut, er hat die Laudatio auf Deiner Trauerfeier gehalten. Er gibt jetzt 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr her. Was würdest Du sagen?
Nie wieder Krieg! war Deine Devise. Als Kinder durften wir nicht einmal eine Spielzeugpistole anfassen.
Gibt es noch Sozialdemokraten? Mit der Waffe in der Hand?
Was würdest Du sagen?
Man muss sich wehren können. Nur ein starker Krieger muss nicht kämpfen. Was würdest Du sagen?

Brüder zur Sonne zur Freiheit, Brüder zum Lichte empor, hell aus dem dunklen Vergangenen leuchtet die Zukunft empor…

Ruhe in Deiner Zeit.
(Eine Postkarte ist zu klein für diese Welt.)

Dazu in diesem Blog: Widerstand. Begegnungen 1934
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