Aldidente und Testosteron

1. Kapitel

Sie platzte förmlich in sein Büro. Atemlos. Groß, und natürlich blond, wie er es sich erträumt hatte; in den Tagen mit wenigen Mandanten, den Blick in den Hirschpark gerichtet, an den die Villa angrenzte. Hier hatte er als ´ Frank der Anwalt` in einem Anflug von Optimismus seine Kanzlei eingerichtet. Ihr Händedruck war vorsichtig, ihr Arm ausgestreckt und ihre Hand etwas feucht. So machte sie auf ihn Eindruck; aber die Furcht, die eine schöne Frau, zudem eine große, schlanke Frau bei ihm auslöste, wurde somit gleich relativiert. Auch Ihre Entschuldigung für die Verspätung, „das schwer zu erreichende Haus“, gefiel ihm. „Ich musste außerdem meine Tochter erste einmal unterbringen, die ist früher aus der Schule gekommen“. Er spürte ihre ganze Schwäche in diesen zwei Entschuldigungen in diesem Augenblick. Als verheirateter Mann im besten Alter, kurz vor fünfzig und dem Abfall des Testosteronspiegels, hatte diese Begegnung etwas von Gegenläufigkeit in der Abwärtsspirale seines Lebens. Zu Hause ausgezogen, von der Frau geflüchtet aus dem Würgegriff der Hollywoodschaukel und dem unbedingt erforderlichen neuen Möbeln, auf der Suche nach einer neuen Sekretärin. Möglichst einer fürsorglichen Person.
„Ja, ja“, sagte er etwas blöde und gab ihr gleich noch einmal die Hand. Als Anwalt brauchte er eine gute Sekretärin, eine sehr gute, dennoch, es war nach diesem ultimativen Moment gleich klar, dass er sie nicht weiter zu ihren Fähigkeiten und Referenzen befragen würde.

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