Miniatur 1. Von Ripp Corby

Minuten Miniatur (Improvisationslesung von meinem Freund Ripp Corby)

Der perfekte Tag

Ich hatte nur diese eine Chance für einen perfekten Tag in Venedig.

Die Bedingung war, einen Ohren-und Nasenhaarschneider, eine Flamingo-Tapete, eine Krücke, eine Federboa und eine Schokoladenmaske ins Spiel zu bringen.
Ich entschied mich für den Karneval in Venedig.
Beim Karneval wollte ich in die erste Reihe gelangen und ein Selfie machen – und die Belohnung wäre mir sicher.
Ich hatte mich auf diesen perfekten Tag gefreut. Carneval in Venedig, erste Reihe. Das war die Aufgabe.
Ich schneiderte mir aus der Flamingotapete ein luftiges Hemd, fühlte mich beschwingt und frei. Die Federboa schmückte meinen Hals, die Schokoladenmaske tarnte mich. Meine Gesichtshaare hatte ich entfernt, ebenso die Haare in der Nase und in den Ohren mit dem Nasen-und Ohrenschneider beseitigt, für einen perfekten Sitz der Maske.
Wie sollte ich aber nach vorne kommen, weit nach vorne, in die erste Reihe? Die Krücke würde mir helfen, dachte ich. Aber der Trick misslang, weil mindestens 50 Leute auf Krücken und Rollstühlen versuchten, nach vorne zu kommen. Der Versehrtentrick. Bedauerlich für die wirklichen Menschen mit Handicap.
Ich hatte kein Alleinstellungsmerkmal als Versehrter.
Es fing dann auch noch an zu regnen, die Maske zerlief, das Tapetenhemd löste sich auf, wie der Carneval.

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