Corona und der Universal Soldier

Ich betrat das Café, das an diesem trüben Herbsttag wie ein Zufluchtsort wirkte. Die Luft war kühl, und die Blätter wirbelten in einer Melange aus Rot, Gelb und Braun durch die Straßen. Corona saß schon da, wie beim letzten Mal, in ihrem schwarzen Kleid. Ihre Gelassenheit wirkte fast unheimlich, als wäre sie vollkommen unberührt von der Furcht und dem Chaos, das mit ihrem Namen verbunden war. Ich vergaß, daß nur ich Ihre Identität kannte. Doch heute summte sie, was sie sonst bei unseren vielen Begegnungen nie getan hatte. Diesmal war es deutlicher: „Universal Soldier“ von Donovan. Ein Lied, das mich sofort in den Bann zog. Es war seltsam – ein Virus, das ein Friedenslied summte?

„Warum gerade dieses Lied?“ fragte ich sie, nachdem ich mich gesetzt hatte. Ich war neugierig, fast herausgefordert von ihrer scheinbar spielerischen Wahl.

Sie lächelte – ein sanftes, fast tröstliches Lächeln. „Zu deiner Begrüßung“, sagte sie mit einem Hauch von Spott in der Stimme. „Letztes Mal warst du so schockiert von unserer Unterhaltung über Pseudomonas Aeruginosa. Du hast nur die Bedrohung gesehen, den Schrecken. Da dachte ich, vielleicht hilft dir ein wenig Weitblick.“

Ich runzelte die Stirn. „Weitblick? Wie meinst du das?“

„Der Universal Soldier“, begann sie leise, während sie ihren Blick durch das Fenster schweifen ließ, „ist überall. Er ist schlimmer als Viren und Keime. Er marschiert in Israel, Palästina, im Iran, in den USA, in Russland, der Ukraine – und selbst hier, in Deutschland, in Afrika, in China. Überall, wo Menschen Krieg führen.“ Sie nahm einen tiefen Atemzug, als ob sie das Gewicht ihrer Worte selbst spürte. „Er ist derjenige, der die wahre Zerstörung bringt. Auch unsichtbar mit seinen Drohnen und ferngesteuerten Raketen.“

Ich lauschte ihren Worten, während die Zeilen des Liedes in meinem Kopf nachhallten: „He’s the Universal Soldier, and he really is to blame.“ Donovan hatte es als Anklage geschrieben, nicht nur gegen den Soldaten, sondern gegen das gesamte System, das ihn blind in den Krieg schickte. Doch es war nicht nur der Soldat, der schuldig war – es war auch das Versagen der Menschheit, immer wieder die gleichen Fehler zu begehen, immer wieder in denselben Kreislauf aus Gewalt, Hass und Zerstörung zu treten.

„Aber was hat das mit dir zu tun?“ fragte ich schließlich. „Du bist doch kein Soldat, keine Kriegerin. Du bist…“ Ich stockte und überlegte. „Du bist ein Virus.“

Corona lehnte sich zurück und betrachtete mich für einen Augenblick, als würde sie nach den richtigen Worten suchen. „Das ist der Punkt“, sagte sie schließlich. „Ihr denkt, ich sei die Bedrohung. Dass Viren und Keime die größte Gefahr für euch darstellen. Aber das stimmt nicht. Ich bin nur ein Teil des großen Ganzen, genauso wie der Universal Soldier. Ich bin eine Konsequenz eurer Welt, nicht die Ursache. Ihr seid es, die die wahre Zerstörung bringen – durch eure Kriege, eure Gier, euren Hass. Der Universal Soldier ist nur eine Figur in diesem Spiel. Er existiert, weil ihr es zulasst.“

Ihre Worte sanken in mich ein, wie Tropfen auf einen stillen See. Der Universal Soldier war nicht nur der Soldat auf dem Schlachtfeld – er war ein Symbol für die kollektive Unfähigkeit der Menschheit, aus der Vergangenheit zu lernen. „Without him, all this killing can’t go on,“ ging es mir durch den Kopf. Aber warum ging es dann weiter? Warum schafften wir es nicht, die Gewalt zu beenden?

„Es ist, als wäre der Soldat ein Teil von uns allen“, sagte ich nachdenklich. „Er verkörpert unsere Ängste, unsere Ignoranz, unser Versagen, Verantwortung zu übernehmen. Wir erschaffen ihn, immer wieder. Genau wie wir Kriege erschaffen, immer wieder.“

Corona nickte. „Genau. Der Soldat, der Virus, der Keim – sie alle sind Symbole für etwas Tieferes. Ihr Menschen sucht oft nach äußeren Feinden, nach greifbaren Bedrohungen, die ihr bekämpfen könnt. Aber die wahre Bedrohung liegt in euch selbst. Ihr seid es, die entscheiden, ob der Universal Soldier weiter marschiert. Ihr seid es, die entscheiden, ob ich, Corona, eine Bedrohung bleibe oder nicht.“

Ich dachte an die Zeilen des Liedes, die mich schon immer besonders berührt hatten: „He’s the one who gives his body as a weapon of the war, and without him, all this killing can’t go on.“ Es war eine erschreckende Wahrheit, die Donovan damals offenbart hatte – und sie war heute relevanter denn je. Der Universal Soldier war in uns allen, und er konnte nur aufhören zu existieren, wenn wir uns dafür entschieden.

„Aber warum tun wir das?“ fragte ich leise. „Warum führen wir immer wieder Kriege? Warum erschaffen wir Soldaten und Feinde, wenn wir doch wissen, dass es uns zerstört?“

Corona lächelte traurig. „Weil es einfacher ist, einen äußeren Feind zu sehen, als sich den eigenen inneren Konflikten zu stellen. Weil Angst und Macht süchtig machen. Ihr glaubt, dass ihr durch Kontrolle und Gewalt Sicherheit finden könnt, aber in Wahrheit zerstört ihr euch selbst. Der Universal Soldier wird nicht aufhören zu marschieren, solange ihr nicht bereit seid, euch euren eigenen Schatten zu stellen.“

Ich schaute sie an und spürte eine seltsame Mischung aus Verzweiflung und Hoffnung. Sie hatte recht. Es waren nicht die Viren oder Keime, die die größte Gefahr darstellten – es war der Mensch selbst. Wir waren es, die den Universal Soldier erschufen, die ihn am Leben hielten, die ihm erlaubten, immer wieder aufs Schlachtfeld zu marschieren. Aber genauso, wie wir ihn erschaffen hatten, hatten wir auch die Macht, ihn zu stoppen.

„Vielleicht“, sagte ich nach einer Weile, „können wir den Universal Soldier eines Tages besiegen. Vielleicht können wir lernen, aus dem Kreislauf der Gewalt auszubrechen.“

Corona blickte mich lange an, und ihr Lächeln wurde weicher. „Vielleicht“, antwortete sie. „Aber das liegt allein bei euch. Ihr habt die Wahl. Immer.“

Ich stand auf, bereit, das Café zu verlassen. Hinter mir summte Corona weiter, die melancholische Melodie des „Universal Soldier“ verweilte in der Luft. Draußen setzte der Regen ein, ein leiser, sanfter Tropfen, der die Straßen wusch. Vielleicht war es ein Zeichen – ein Neuanfang, eine Reinigung. Vielleicht konnten wir, wenn wir wirklich wollten, den Universal Soldier eines Tages zum Stillstand bringen. Doch bis dahin blieb er ein ständiger Begleiter, immer bereit, in uns zu erwachen, solange wir ihn fütterten.

Und so verließ ich das Café, mit der Melodie in meinem Kopf und einer leisen Hoffnung im Herzen. „He’s the Universal Soldier and he really is to blame…“ Aber vielleicht, dachte ich, müssen wir nur aufhören, ihm zu folgen.

Appointment with Corona


A man enters a cozy café and sits down at a table. He orders a coffee when a strikingly beautiful woman enters. She carries an aura of elegance and mystique that immediately captures his attention. To his surprise, she sits down at his table.

„Good day,“ she says with a charming smile. „May I introduce myself? My name is Corona.“

The man is initially bewildered. „Like the virus?“ he asks hesitantly.

„Exactly,“ she replies, „but I’m here to talk about more than just illness. I represent the deeper meaning of what I have triggered in the world.“

He leans back, intrigued, and sips his coffee. „Then tell me more.“

Corona smiles. „You see, the world as we know it has become unbalanced in recent decades. Humanity, in its pursuit of progress and prosperity, has distanced itself from nature. Overuse of resources, pollution, and loss of biodiversity are just some of the consequences.“

„And what do you have to do with that?“ the man asks curiously.

„I am a mirror,“ she explains. „Through me, people became aware of the fragility of their lives and the vulnerability of their world. The pandemic has shown how closely we are all connected to each other and to nature. Suddenly, people had to pause, reflect, and reconsider their relationship with the environment.“

The man nods thoughtfully. „It’s true, people have begun to appreciate nature more and care about the environment. But was that really necessary?“

„Sometimes,“ Corona says gently, „a crisis is needed to bring about change. The pandemic was a wake-up call. It brought the importance of nature and our health to the forefront. People were forced to rethink their way of life and be more considerate of their surroundings.“

„And what is your wish for the future?“ the man asks.

„I hope,“ says Corona, „that people will retain the lessons they have learned. That they will continue to treat the environment responsibly and maintain the balance between progress and nature. The path to healing lies in harmony between humanity and the Earth.“

The man smiles. „That is a beautiful vision. I hope we can achieve it.“

At that moment, the space around them begins to blur, and before them appears a mighty tree. It is the Tree of Knowledge from the biblical story of Adam and Eve, the tree that conveys knowledge of good and evil.

Corona stands and looks reverently at the tree. „This is the Tree of Knowledge,“ she explains. „In the biblical story, Adam and Eve ate its fruit and thus gained awareness of good and evil. It was a moment of realization that tore them from their innocence and led them to take responsibility for their actions.“

The man gazes at the tree, fascinated. „But this knowledge also brought pain and suffering into the world,“ he says thoughtfully.

„Yes,“ Corona replies, „but it also brought the opportunity to grow and learn. Humanity had to learn to deal with the consequences of their actions, to develop, and to build a deeper connection to the world and to themselves. Just as Adam and Eve had to explore and understand the world anew after their expulsion from Paradise, people were forced by the pandemic to rethink their role in the world.“

„What can we learn from this tree?“ the man asks.

Corona smiles. „The Tree of Knowledge teaches us that true understanding comes with responsibility. The awareness of good and evil is a call to consciously reflect on our actions and consider the consequences. The pandemic has shown us that our prosperity and security are closely linked to the health of our environment and our fellow humans. We must act mindfully and responsibly to create a sustainable future.“

The man nods. „The tree reminds us that knowledge and insight are not just privileges but also obligations. We must use the lessons we learn from this crisis to create a better world.“

The vision of the tree slowly fades, but its message remains in their hearts. Corona rises and smiles at the man. „The future is in your hands. May awareness grow and change follow.“

The man remains, deeply moved and inspired by the encounter. He looks out at the world and recognizes the significance of the lessons the Tree of Knowledge and the pandemic have shown him. With a new understanding and deeper awareness, he prepares to contribute his part to healing the world.

As he stands up, a thought occurs to him. „You spoke about the balance between progress and nature,“ he says to himself. „That reminds me of the Risk Society described by the sociologist Ulrich Beck. A society constantly confronted with the unpredictable risks and side effects of its own progress.“

At that moment, Corona seems to be standing beside him again. „Exactly,“ she says. „Beck’s concept of the Risk Society describes a world in which the advances of modernity bring not only benefits but also new risks that are often global and far-reaching. The pandemic is one such risk. It has made us aware of how vulnerable our highly interconnected world is.“

The man nods. „In Beck’s Risk Society, risks are no longer just local; they affect all of humanity. Climate change, environmental destruction, and pandemics are examples of such global risks. People must learn to recognize and manage these risks.“

„That’s right,“ says Corona. „Beck emphasizes that in a Risk Society, knowledge and insight are crucial to dealing with these risks. The Tree of Knowledge symbolizes this wisdom. It reminds us that as a society, we bear the responsibility to face these challenges and make wise decisions that consider the well-being of all.“

The man looks once more at the Tree of Knowledge, its image still resonating in his mind. „We live in a time when our actions have far-reaching consequences. The pandemic has shown us that we must protect not only our health but also the health of our planet. We must learn from our mistakes and work together for a better future.“

Corona nods in agreement. „Exactly. The lessons from the pandemic and the insights of the Tree of Knowledge offer us the chance to create a sustainable and just world. A world where we understand the risks of our progress and act responsibly to protect future generations.“

With these words, Corona disappears, and the man is left with a profound insight and a clear vision for the future. He leaves the café with the determination to contribute to creating a responsible and conscious society that heeds the lessons of the past and meets the challenges of the Risk Society.


This story combines the deep insights from the biblical tale of the Tree of Knowledge with the concepts of Ulrich Beck’s Risk Society, emphasizing the responsibility that comes with understanding the global risks created by human progress.

Unsichtbar. Erinnerung an die schöne Corona

Ich habe die schöne Corona, das Virus in der Gestalt einer Frau im gepunkteten Sommerkleid, immer mal wieder im Caligo Café getroffen. Ein Cafe` am Marktplatz in Ahrensburg, einer Kleinstadt mit 35.000 Einwohnern. Ihre Anwesenheit wirkte immer zugleich beruhigend und beunruhigend, wie eine vertraute Melodie mit einem verstörenden Unterton. Sie war freundlich und interessiert, und ihre Augen funkelten häufig, wenn sie sprach und argumentierte. Im Laufe der Zeit hatte ich die Angst vor einer Ansteckung verloren. Wenn ich anderen von ihr erzählte wurde nur gelacht oder eine nachlässige Handbewegung beendete das Gespräch.

Unsere Gespräche begannen oft beiläufig, über den Geschmack des Kaffees oder das Wetter, doch schnell lenkte Corona das Gespräch in tiefere Gewässer. Die Risikogesellschaft, den Baum der Erkenntnis, diese Themen beschäftigten Sie. Eines Nachmittags, während die Sonne warm durch die Fenster schien, sprach sie über den biblischen Baum der Erkenntnis und die Vertreibung aus dem Paradies. „Die Menschheit hat daraus nicht gelernt,“ sagte sie mit einem sanften Lächeln. „Wir streben nach Wissen und Macht, ohne die Konsequenzen zu bedenken, schlussfolgerte sie.

Ihre Stimme wurde ernster, wenn sie die Gegenwart beschrieb. „Unsere Gesellschaft ist zu einer Risikogesellschaft geworden. Wir jagen dem Profit hinterher und verschwenden Ressourcen, als wären sie unendlich. Doch die Natur wehrt sich. Viren wie ich sind eine natürliche Reaktion, eine logische Schlussfolgerung.“

Ich hörte fasziniert zu, wie sie weitere Generationen von Viren voraussagte, die das Leben, wie wir es kennen, zerstören würden. „Alles wird sich auflösen,“ sagte sie, „die Gewissheit verschwinden.“ Ihr Blick schien in die Ferne zu schweifen, als sie fragte: „Wie löst man sich auf, erst innerlich und dann äußerlich? Oder umgekehrt?“

In den folgenden Wochen entwickelten sich unsere Treffen im Café zu philosophischen Exkursionen durch die Zeit und das menschliche Bewusstsein. Corona sprach über das Anthropozän, jene Ära, in der der Mensch zum dominierenden Einflussfaktor auf die Erde geworden ist. Sie erklärte, dass die biblische Geschichte vom Baum der Erkenntnis als Metapher für die menschliche Hybris zu verstehen sei: Unser Streben nach Wissen und Kontrolle hat uns aus dem „Paradies“ einer harmonischen Existenz mit der Natur vertrieben. Ideologien leben wieder auf, die Menschen werden auch im Westen auf das große Sterben vorbereitet. Darauf, dass es den Tod gibt. Syrien, Ukraine, Sudan, Kongo und Palästina rücken näher, wie wir Viren auch. Sie lächelte. „Wie ihr Euch bemüht! Philosophisch betrachtet,“ sagte sie eines Abends, als die Dämmerung das Café in ein warmes Licht tauchte, „ist das Streben nach unendlichem Wachstum und Fortschritt die zentrale Illusion unserer Zeit. Wir glauben, durch Technologie und Wissenschaft alles in den Griff bekommen zu können, doch wir verkennen die Grenzen unserer Macht. Die Risikogesellschaft, wie ich sie nenne, ist geprägt durch eine ständige Verlagerung von Risiken: Anstatt sie zu minimieren, schaffen wir neue, oft komplexere Gefahren.“

Sie sprach weiter, ihre Stimme weich und eindringlich. „Aus psychologischer Sicht führt der innere Zerfall zu einer Krise des Selbstverständnisses. Unsere Identitäten sind eng mit unseren Vorstellungen von Fortschritt und Kontrolle verknüpft. Wenn diese Illusionen fallen, verlieren wir den Boden unter den Füßen. Die Unsicherheit und Angst, die daraus entstehen, führen zu einer inneren Auflösung. Wir beginnen, an unseren Werten und Überzeugungen zu zweifeln, was in einer kollektiven Identitätskrise mündet. Die Demokratien werden zerfallen, ohne das die Zusammenhänge verstanden werden, die große Gier und die große Angst, die alles antreibt.“

Während sie sprach, schien das Café sich in einen stillen Ort der Reflexion zu verwandeln. Ihre Worte hallten in mir nach, als sie über die ökonomischen Aspekte unserer Zeit sprach. „Unser Streben nach unendlichem Wachstum ist ein fundamentaler Fehler. Unsere Wirtschaftssysteme basieren auf der Ausbeutung endlicher Ressourcen und einem kontinuierlichen Wachstum, das die planetaren Grenzen missachtet. Diese ökonomische Struktur führt zwangsläufig zu ökologischen und sozialen Katastrophen. Die Zerstörung von Lebensräumen, die Klimakrise und die Verbreitung von Krankheiten sind direkte Folgen dieser Wachstumslogik.“

Corona seufzte und legte ihre Hände auf den Tisch, als würde sie das Gewicht der Welt auf ihren Schultern spüren. „Ökologisch gesehen ist die Natur ein komplexes und empfindliches System. Viren, wie ich selbst, sind Teil dieses Systems und reagieren auf Ungleichgewichte. Die ständige Ausbeutung und Zerstörung natürlicher Lebensräume setzt Kräfte frei, die wir nicht kontrollieren können. Das Auftreten neuer Viren und Pandemien ist eine logische Konsequenz unseres Handelns.“

In diesen Momenten im Café erschien mir Corona nicht mehr nur als Bedrohung, sondern als Mahnerin und Lehrerin. Sie brachte die tieferen Zusammenhänge unserer Existenz im Anthropozän zum Vorschein und forderte uns auf, über unsere Rolle in dieser Welt nachzudenken und Verantwortung zu übernehmen.

Eines Nachmittags, als die letzten Sonnenstrahlen durch die Blätter der Bäume vor dem Fenster tanzten, fasste sie alles zusammen. „Die Auflösung beginnt zuerst innerlich. Unsere inneren Werte und Überzeugungen erodieren unter dem Druck der äußeren Krisen. Wenn wir erkennen, dass unser Lebensstil und unsere wirtschaftlichen Systeme nicht nachhaltig sind, zerbricht das Bild, das wir von uns selbst und unserer Rolle in der Welt haben. Diese innere Auflösung manifestiert sich schließlich äußerlich in sozialen und ökologischen Zusammenbrüchen.“

Sie nahm einen letzten Schluck ihres Kaffees und schaute mich an, ihre Augen voller Weisheit und Mitgefühl. „Doch es gibt auch Hoffnung,“ sagte sie leise. „Die Auflösung kann eine Chance zur Transformation sein. Wenn wir bereit sind, unsere Denkweisen und Lebensstile radikal zu ändern, können wir aus der Krise eine neue, nachhaltigere Gesellschaft formen. Dies erfordert jedoch Mut und die Bereitschaft, unbequeme Wahrheiten zu akzeptieren und daraus zu lernen.“

In diesem Moment begriff ich, dass unsere Treffen im Café nicht nur zufällige Begegnungen waren, sondern tiefe Lektionen über das Leben im Anthropozän. Corona war nicht nur ein Virus in menschlicher Gestalt, sondern ein Spiegel unserer eigenen Existenz und eine Mahnung, die Natur und unser eigenes Selbst neu zu verstehen.


Im Schatten der Café-Bäume, während der Wind sanft durch die Blätter flüsterte, erzählte Corona mir eine Geschichte, die mir das Herz zusammenzog. Sie sprach von einer Welt, in der die Menschen im Einklang mit der Natur lebten, bevor die Gier und der Hunger nach mehr sie erfassten. In dieser fernen Zeit, so erzählte sie, hatten die Menschen das Geheimnis der Harmonie entdeckt: das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen, das Bewusstsein für die Endlichkeit der Ressourcen und den Respekt vor allen Lebensformen.

Aber mit der Zeit wuchsen ihre Ambitionen. Sie bauten Städte, die in den Himmel ragten, Maschinen, die die Erde durchpflügten, und Systeme, die mehr verlangten, als die Erde zu geben bereit war. „Es war, als hätten sie das Paradies mit eigenen Händen verlassen,“ sagte Corona. „Und in ihrem Streben nach Fortschritt haben sie die grundlegende Wahrheit vergessen, dass alles miteinander verbunden ist.“

Ihr Blick wurde melancholisch, als sie von den ersten Anzeichen des Zerfalls sprach. „Die Natur begann zu reagieren. Kleine Veränderungen zuerst – ein ungewöhnlich starker Sturm hier, eine Dürre dort. Aber die Menschen sahen diese Warnzeichen nicht. Sie waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt, gefangen in ihrem eigenen Netz aus Erwartungen und Träumen.“

Mit jedem Treffen schien Corona mehr über die tieferen Zusammenhänge unserer Existenz preiszugeben. Sie sprach von den psychologischen Auswirkungen des unermüdlichen Strebens nach mehr. „Der innere Zerfall,“ sagte sie, „beginnt, wenn die Menschen ihre Verbindung zur Natur verlieren. Sie fühlen sich entwurzelt, isoliert in einer Welt, die sie selbst geschaffen haben. Ihre Identität, einst fest verankert in der Gemeinschaft und der Natur, wird fragil und brüchig.“

Corona erzählte mir von der Krise des Selbstverständnisses, die viele Menschen durchlebten. „Wenn sie erkennen, dass ihr Lebensstil auf Kosten anderer Lebewesen und künftiger Generationen geht, beginnt eine innere Auflösung. Sie zweifeln an ihren Werten, ihren Überzeugungen, an allem, was sie einst für selbstverständlich hielten. Diese Unsicherheit breitet sich aus wie ein Virus und erfasst ganze Gesellschaften.“

Ihre Worte hallten in mir nach, während ich über die ökonomischen und ökologischen Verflechtungen unserer Zeit nachdachte. „Unsere Wirtschaftssysteme,“ erklärte sie, „sind darauf ausgelegt, immer weiter zu wachsen. Aber dieses Wachstum ist eine Illusion. Es basiert auf der Ausbeutung endlicher Ressourcen, auf der Annahme, dass die Erde unendlich viel geben kann. Doch die Wahrheit ist, dass wir die Grenzen längst überschritten haben.“

Mit einem traurigen Lächeln fügte sie hinzu: „Die ökologische Krise ist keine ferne Bedrohung mehr. Sie ist hier, sie ist jetzt. Viren wie ich sind nur ein Symptom eines kranken Systems. Die Natur wehrt sich, und das Auftreten neuer Krankheiten ist nur eine der vielen Möglichkeiten, wie sie versucht, das Gleichgewicht wiederherzustellen.“

Eines Abends, als der Himmel in tiefes Blau getaucht war und die ersten Sterne zu leuchten begannen, fasste Corona ihre Gedanken in einer eindringlichen Warnung zusammen. „Die Auflösung beginnt innerlich,“ sagte sie. „Unsere Werte und Überzeugungen erodieren unter dem Druck der äußeren Krisen. Diese innere Auflösung manifestiert sich schließlich äußerlich in sozialen und ökologischen Zusammenbrüchen.“

Sie sah mich mit einem Blick an, der tief in meine Seele zu dringen schien. „Aber es gibt Hoffnung,“ sagte sie leise. „Die Auflösung kann auch eine Chance zur Transformation sein. Wenn wir bereit sind, unsere Denkweisen und Lebensstile radikal zu ändern, können wir aus der Krise eine neue, nachhaltigere Gesellschaft formen. Dies erfordert Mut und die Bereitschaft, unbequeme Wahrheiten zu akzeptieren und daraus zu lernen.“

In diesem Moment begriff ich, dass unsere Treffen im Café nicht nur zufällige Begegnungen waren, sondern tiefe Lektionen über das Leben im Anthropozän. Corona war nicht nur ein Virus in menschlicher Gestalt, sondern ein Spiegel unserer eigenen Existenz und eine Mahnung, die Natur und unser eigenes Selbst neu zu verstehen. Und so verließ ich das Café an jenem Abend mit dem Gefühl, dass ich nicht nur einem Virus, sondern einer weisenden Stimme der Natur begegnet war, die uns alle zur Umkehr und zur Besinnung aufrief.